Hallo Leute,
heute oute ich mal Frauchen: sie war Klärchens Tipperin. Wer Klärchen ist? Laut Frauchen der freundlichste, neugierigste, tapferste kleine Hund der Welt. Bürohund, Agenturhund, Familienmitglied, Freudebringer, Cleanup Dog. Ich hatte die Ehre, sie vor ein paar Jahren mal interviewen zu dürfen. Nun musste sie leider und sehr überraschend über die Regenbogenbrücke gehen.
Frauchen kannte Klärchen schon seit ihrer Welpenzeit. Denn schon damals kam sie mit ins Büro oder zu Terminen. Klärchen war auch oft tageweise bei uns, bei Frauchen dann im Home Office (aka "Zweitbüro" für Klärchen) oder mal am Wochenende, wenn sie nicht alleine zuhause bleiben konnte. Ihr Bluesky-Account quillt nun über vor Trauerbekundungen - das hat sie auch verdient. Denn sie brachte Freude und Spaß, wo immer sie war. Hier ein paar Episoden, ich übergebe mal an Frauchen.
Das hier schreibe (tippe) ich unter Tränen. Als ich das erste Mal hörte, dass der Chef unserer Marketingagentur und seine Frau sich einen Hund zulegen wollten, war ich als Hundefreund begeistert. Ich bin schon mit vielen Hunden Gassi gegangen, ein eigener Hund war aus verschiedensten Gründen nie möglich. Aber eine französische Bulldogge? Ein "Sofakissen" mit Fell? Mann, da hatte ich mich aber gewaltig getäuscht!
Denn da kam ein quirliger Welpe an. Der sich mit dem ganzen Körper freute (was sie übrigens bis zuletzt immer wieder zeigte, egal ob Freunden, Postboten, Handwerkern, Agenturkunden ... das ganze Klärchen wedelte, wackelte, quirlte sozusagen).
Wir hatten eine Besprechung mit einem externen Berater. Der äußerst unsymphatisch war, und dessen Vorschläge uns Eingeladenen extrem missfielen. Bis auf den Entscheider, der war begeistert. Wir anderen alle wollten das Projekt kippen. Klärchen tat ihr Bestes: sie saß in ihrem Körbchen an einer Wand im Besprechungszimmer, welpensüß, alle waren abgelenkt und schauten zum Ingrimm des Externen eher auf sie als auf seine Präsentation. Und dann legte sie richtig los: ein Quietsche-Spielzeug wurde malträtiert. "Quiek Quiek Quiiiiiiek" ging es die ganze Zeit. Wir freuten uns, denn der Berater kam immer mehr aus dem Konzept, schoss irritierte Blicke, verhaspelte sich, und irgendwann sagte dann der Entscheider: nein, so hat das keinen Sinn. Machen wir nicht. Yes, Danke, Klärchen!
Das mit dem besonders enervierenden Quieki machte sie übrigens sehr gern bei ihr unsymphatischen Menschen, so hat sie einmal einen Kollegen, der Hunde nicht mochte, im Büro ausdauernd damit malträtiert. Als ob sie es gezielt gemacht hätte ...
Ein paar Monate später war sie mit auf einem Außentermin. Grundstücksbesichtigung für ein größeres Bauprojekt. Verwildertes Grundstück. Klärchen ohne Leine zog ihre Kreise. Kam irgendwann "wohlduftend" zurück – sie hatte anscheinend ein verrottendes Tier gefunden und sich darin gewälzt. Die Heimfahrt im Auto mit dem einparfümierten Klärchen ("Eau de Würg") zog sich. Nasenklammern wären sehr willkommen gewesen.
Als ich in der Agentur anfing, war sie gut 1,5 Jahre alt. Ich bin jeden Mittag mit ihr raus, das bekam ihr und mir gut. Nur manchmal wurde es peinlich: ich hatte den neugierigsten Hund der Welt an der Leine, gleichzeitig einen vollkommen hemmungslosen. Offene Gartentür? Nichts wie rein. Offene Haustür am Trottoir - gucken wir doch mal, was hinter der Tür ist. Offener Kofferraum? Stellen wir uns doch mal penetrant dahinter und starren, was dort drin liegt ...
Klärchen hatte ja die Welpenschule besucht. Und war auf Sichtkommandos trainiert. Das hieß: Vor einer Straßenüberquerung am Bordsteinrand sitzen. Warten, bis der Fingerzeig zur Straßenüberquerung kommt. Dann erst los. Ihr Herrchen meinte, sie kriegt Leckerli nach Sitz als Belohnung. Fand ich unlogisch. Sie sollte ja das Sitz mit dem Überqueren verbinden. Also gab ich Klärchen danach ihr Leckerli. Resultat: Rüffel für mich, weil Klärchen ihr Herrchen nach dem Sitz und kein Auto gesehen mit Kängurusprüngen über die Straße zerrte, als er gerade nach dem Leckerli kramte!
Apropos Leckerli. Einmal, als Klärchen wieder den ganzen Tag bei uns war, konnte ich nicht zur gewünschten Zeit Gassi gehen. Also meinen Mann mit Klärchen rausgeschickt und instruiert, dass sie immer bei Straßenüberquerungen Sitz machen soll und dafür ein Leckerli kriegt. Ich vergaß den Zusatz "nicht immer". Als beide zurückkamen, sah Klärchen sehr mit sich zufrieden aus. Mein Mann wollte von mir wissen, ob der Hund immer so kreuz und quer über die Straße rennen wolle? Und der Leckerli-Beutel war leer. Klärchen hatte schnell spitzgekriegt, dass er ihr immer ein Leckerli gab - und zog ihn dementsprechend alle 10 Meter auf die andere Straßenseite ...
Auch die Kunden der Agentur liebten Klärchen (jedenfalls die meisten). Einmal war ihre Anwesenheit explizit bei einem Geschäftstermin in Frankfurt gewünscht. Als wir ankamen, war die Begeisterung groß. Und Klärchen sehr aufgeregt, begrüßte alle voll Begeisterung, erntete ganz viel Entzückungslaute. Und stürzte sich gleich auf die ihr entgegen gehaltenen Leckerli. Bevor wir reagieren konnten ... denn sie sollte sich lieber erstmal beruhigen nach Autofahrt und Begrüßung. Es kam, wie es kommen musste: Klärchen kotzte gleich mal auf den Teppichboden im edlen Büro. Was ihr glücklicherweise keiner übel nahm.
Im Winter vor 2 Jahren fing es mit ihren Augen an. Ein Gendefekt, kein Ergebnis dieser Bully-/Mops-Qualzuchten. Wobei Klärchen explizit nicht aus einer solchen Zucht kam, sie hatte eine etwas längere Schnauze und einen kleinen Schwanz. Jedenfalls, der Augendruck war so erhöht, dass sie erst auf dem einen Auge blind wurde und es wohl ziemliche Kopfschmerzen verursachte. Also das Auge entfernen lassen - das andere sollte nicht betroffen sein. Für Hunde ist Einäugigkeit kein Problem. Nur dass das andere Auge dann auch betroffen war. Seit 2 Jahren hatte Klärchen also keine Augen mehr. Und kam tapfer damit zurecht. Statt Sicht- gab es nun Akustik-Signale. Sie verstand sehr schnell "Stopp", "Achtung" und ich hatte sie sogar auf "links" und "rechts" geeicht. Manche Sachen gingen nicht mehr: so wollte sie z.B. nicht mehr auf meinem Schoß während der Bürozeit liegen und schlafen, das hatte sie früher gern gemacht. Wahrscheinlich war ihr das zu schaukelnd. Aber beim Sessel war sie sofort da! So haben wir viele Stunden, ich lesend oder TV guckend, sie schlafend, verbracht.
Draußen beim Spazierengehen war sie nun vorsichtiger, aber wenn sie Spaß hatte, ging es flott dahin. In der Wohnung navigierte sie sicher durch die Flure, um das Sofa herum, in die Küche usw. Ein tapferer kleiner Bully. Allein bleiben konnte sie seit dem Verlust ihrer Augen nicht mehr, daher war sie dann noch öfter als früher bei uns.
Für Ende Mai war eine ganz Woche bei uns eingeplant. Dazu kam es nun nicht mehr. Sie wird nicht nur mir und ihren Menschen sehr fehlen. Sondern auch ihren Followern erst auf Twitter, dann auf Bluesky. Die Reaktionen zeigen, wie sehr Klärchen allen ans Herz gewachsen ist, wie viel Freude sie ins Leben gebracht hat. Ich hoffe, Klärchen kann sich jetzt unbeschwert auf der grünen Wiese im Hundehimmel wälzen.
So, Frauchen, das reicht jetzt. Hör bitte auf zu weinen, sondern freue Dich lieber über die vielen Jahren, die Du Spaß und Freude an Klärchen hattest. Auch als ihre Tipperin, sich jede Woche ein Rätsel ausdenken, sich in einen Hund bzw. einen Bürohund hineindenken ... nun kannst Du Dich voll und ganz auf meinen Bluesky-Account konzentrieren.
Und ich mich darauf, Frauchen wieder fit für die Trails zu kriegen! Erste kurze Läufe gehen schon wieder.
Bis bald Euer Iwan





1 Kommentar:
🖤🖤🖤
Kommentar veröffentlichen