Dienstag, 25. Juli 2017

Agatha Christie meets Criminal Minds

Hallo Leute,

wir hatten uns auf einen richtig schön saftigen, spannenden Thriller gefreut. Es geht um dieses Buch hier:

Murder Park
Jonas Winner, erschienen bei Heyne, 12,99 Euro.

Der Klappentext klang megathrillig: in einem Freizeitpark in den USA hat ein Serienmörder vor 20 Jahren drei Frauen getötet. Nun soll der Park - der praktischerweise schön isoliert auf einer Insel liegt - wiedereröffnet werden. Als Murder Park, also als Themenpark mit nur einem Thema: Mord. Unser "Held", Journalist Paul, wird zusammen mit 11 anderen Personen auf die Insel eingeladen. Vor der Eröffnung, um dann das Ganze (hoffentlich) begeistert vorzustellen. Allerdings - sonst wären wir ja nicht in einem Thriller - kommen ihm dabei ein paar Morde dazwischen. "Und die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen ..."

Kommt Euch bekannt vor, die Grundidee? 12 scheinbar willkürlich zusammengewürfelte Leute, einsame Insel, keiner kommt vorbei, einer nach dem anderen wird umgebracht. Das hat Agatha Christie vor vielen Jahrzehnten schon meisterlich beschrieben. (Dieses Buch hat viele Titel, wir haben es als "Letztes Weekend" bzw. "And then there were none")

Das Ganze wird mit einem Touch Criminal Minds versehen - was bewegte den damaligen Serienmörder? Der übrigens gefasst und hingerichtet wurde ... Interviews mit allen Protagonisten sind zwischen die Handlung, als Rückblende, geschnitten. Und sehr rational wird von den wirklich üblen Mordmethoden von vor 20 Jahren berichtet, und welche Auswirkungen dies auf die Beteiligten hatte. Paul ist, das wird schnell klar, der Sohn des dritten Opfers. Andere Teilnehmer dieses Weekends sind die damals ermittelnde Kriminalerin, Angestellte des früheren Parks usw. Und schnell rückt der Investor mit seinem Plan für den Murder Park heraus: es soll quasi um Dating Wochenenden gehen, in der angsteinflößenden Atmosphäre sollen sich die Pärchen finden.

Die nacheinander passierenden Morde sind wirklich spannend, plastisch, um nicht zu sagen drastisch abschreckend beschrieben. Wem kann Paul noch trauen? Und lebt gar der frühere Mörder noch, ist der Falsche hingerichtet worden?

Das Problem: wen interessiert´s, wenn Beth, Michael usw. ermordet werden? Die Figuren sind so uninteressant, dass man sich eigentlich nur wünscht, dass schnell mal wieder jemand dahingemeuchelt wird. Dazwischen immer wieder Flashbacks von Paul - damit soll wohl angedeutet werden, dass eventuell auch er der Mörder sein könnte ...

Zum Schluss sind nur noch zwei übrig ... Paul und sein Love interest. Und uns Agatha Christie-gestählten Lesern wird klar: Paul ist es nicht, Lizzie ist es nicht ... dann muss wohl einer der anderen seinen Tod vorgetäuscht haben. Und Überraschung *Achtung Spoiler* nicht einer, alle! Alle waren Fake-Morde. Um Paul in die Arme von Lizzie zu treiben ... Aber nachdem die Tötungsarten wirklich sehr plastisch und bestialisch waren (Verbrennen, Aufschlitzen, Auffressenlassen von Ameisen und Schlangen ...), ist das nun sehr unglaubwürdig.

Und *Achtung nochmal Spoiler* natürlich treibt der echte Mörder doch noch sein Unwesen und will Paul an den Kragen ... Es kommt zum finalen Showdown im Riesenrad.

Nein, Leute, das war mal wieder zu viel des Guten. Oder des Schlechten. Auf den letzten 30 Seiten hat Frauchen nur noch den Kopf geschüttelt oder voll Hohn gelacht. Schade.

Fazit:  2 Punkte - gut angefangen, gute Grundidee, aber sehr abstrus umgesetzt.

Das Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Danke schön dafür. Dies hat aber unsere Meinung nicht beeinflusst (wie man ja auch am Ergebnis sieht ...)

Bis bald Euer Iwan


Donnerstag, 20. Juli 2017

Erkenntnisse aus dem Trail-Training

Hallo Leute,

da mich so viele Leute fragen "wie läuft denn das Training für den Karwendelmarsch?", hier ein kurzer Zwischenbericht. Übrigens, Frauchen wird eher gefragt, ob sie gaga sei ....

Also: Die Vermutung mit dem "gaga" könnte durchaus zutreffen. Denn sie ist bis zur Anmeldung längstens 23,2 km gelaufen im Wettkampf, weniger im Training, zwar schon einige Trailrennen, aber über max. 17 km.

Wenn sie sich was in den Kopf setzt, dann habe ich als besonnener Coach keine Chance. Höre ich da etwa Hohnlachen? Na gut, ich habe sie ja angemeldet. Mein sinistrer Hintergedanken: je länger die Strecke, desto mehr Kaiserschmarrn im Ziel ...

Der Karwendelmarsch ist am 26.8., 52 km. Da passt doch 3 Wochen vorher gut als Test das Pitz Alpine Trail Festival mit der 26 km-Distanz herein. Und dort haben wir ja eh noch eine Rechnung offen, so wettertechnisch gesehen. MeinTrainingsplan war einfach, und ich hoffe, dass er aufgeht: jede Woche im langen Lauf so eine Viertelstunde dranhängen. Viel bergauf / bergab trainieren. Drei Wochen hartes Training, dann eine Entlastungswoche. Und die Erkenntnisse bisher sind:

  • Ab 2,5 Stunden reine Laufzeit beginnt es Frauchen keinen Spaß mehr zu machen.
  • 90 min. wie heute morgen kommen ihr aber immerhin schon als "kurzer Lauf" vor
  • der Tipp von Trailbirdie, auch Bergabsprints zu üben, ist Gold wert - bisher ist sie bergab immer eher verhalten gelaufen
  • inzwischen kann sie auch während des Laufens einen Powershot und Salztabletten zu sich nehmen
  • und sie ist immerhin schon einmal mit Rucksack gelaufen!
Das muss ich näher erläutern: ab den längeren Strecken und für den Karwendelmarsch braucht man einfach einen "Behälter", um das vorgeschriebene Notfallset, Futter, Becher (die Halbliterflasche, die sie sonst immer dabei hat, reicht da nicht), ggf. Wechselkleidung, Handy zu verstauen. Nun hasst Frauchen alles, was auf dem Rücken anliegt. Selbst bei Bergwanderungen (und damit meine ich wirklich 7-Stunden-Touren auf Gipfel hoch) trägt sie eine umfunktionierte Art Umhängetasche wie einen Rucksack. Aber es musste halt sein, und so haben wir im Frühjahr bei Sportscheck nach Beratung einen Rucksack gekauft. Frauchen war schon da nicht so begeistert - sie wollte explizit einen Rucksack fürs Trailrunning, und der Verkäufer sagte, a) hätte er keinen dafür speziellen und b) als Einsteiger würde auch so eine Art eierlegende-Wollmilchsau-Rucksack reichen. Frauchen lief im Laden Probe, und war nicht überzeugt. Verkäufer schnallte Rucksack anders, und dann ging es halbwegs. Also mit nur 70 % Überzeugung gekauft. Und seitdem liegen gelassen. Jedes Mal eine andere Ausrede Begründung, warum sie ihn gerade heute nicht testet. Ich habe ihr in den Ohren gelegen, sie muss nun endlich mal mit laufen, um ein Gefühl dafür zu kriegen - njet, nix da, keine Chance. Nachdem sie nun auch schon knapp 3 Stunden ohne gelaufen ist, hat es mir gereicht. Ich habe ihr dann einen anderen bestellt, einen Camelback. Und siehe da - den hat sie brav angezogen und damit schon den ersten Testlauf absolviert. Das Geheimnis: das Teil liegt an wie eine Weste. Vorne und hinten. Und hat nicht dieses typische "Rucksack-Feeling". Auf den Verkäufer bei Sportscheck bin ich aber immer noch ein bißchen sauer - o.k. Frauchen hätte nicht mit schlechtem Gefühl kaufen sollen, aber sie hat mehrfach gesagt, dass sie dieser Rucksack nicht überzeugt und sie eigentlich was anderes sucht ...

Also: wir sind verhalten optimistisch. Und ich bin gespannt, wie es dann im Pitztal für Frauchen läuft. Dann haben wir schon mal ein Indiz für den Karwendelmarsch .... Ich werde berichten.

Bis bald Euer Iwan


Donnerstag, 13. Juli 2017

Neue Geschäftsidee: Regenmacher?

Hallo Leute,

meint Ihr, man kann mit Regenmachen Geld verdienen? Wenn ja, biete ich sofort Frauchen an. Hierzulande funktioniert das mit fast 100 % Erfolgsquote, dass sie es regnen lässt. Beispiele der letzten 2 Wochen:

  • Mittwoch früh - grauer Himmel. Sonst übrigens an jedem Wochentag strahlend blauer Himmel. Egal, Frauchen trabt um halb sieben Richtung Park. Dröppel, dröppel. Hört wieder auf, ist ja auch nur hellgrau. Gerade als sie am weitesten Punkt ihrer Runde ist - dröppel, platsch, platsch. Sie überhaupt nicht darauf eingerichtet, läuft halt dann erstmal nur Streckenteile unter Bäumen. Schöner sanfter Landregen. Nicht vorhergesagt, aber da. Wird auch wieder schwächer, so dass sie doch noch halbtrocken nach Hause kommt.
  • Woche darauf, Freitag. An jedem Wochentag strahlend blauer Himmel. Heute leichte Bewölkung. Egal, ich hatte ihr Berglauftraining vorgegeben. Heißt, 9x den Anstieg im Park hoch und wieder runter. Nummer 1: Bewölkung wird dichter. Nummer 4: inzwischen geschlossene Bewölkung. Nummer 6: interessant, wie schnell so ein Himmel schwarz werden kann ... Nummer 8: Platsch.
  • Diese Woche Dienstag: Ging arbeitstechnisch nicht anders, sie musste früh um halb sieben vor der Arbeit laufen gehen. Wettervorhersage gecheckt: 35 % Regenwahrscheinlichkeit. Naja, ich habe ihr dazu geraten, lieber doch die wasserdichte (!) Regenjacke anzuziehen und das Käppi aufzusetzen. Und es hat dann tatsächlich über 1 Minute gehalten, bevor es anfing zu regnen!
    Nach 5 Minuten war es so ein Starkregen, dass ich zuhause nichts mehr aus dem Fenster gesehen habe. Frauchen meinte später, sie hat ein "Herrchen" gesehen, das seinen Hund in den Park zum Gassi gehen mit Gewalt gezerrt hat, Pfoten in den Boden gestemmt - schlauer Hund! Die - durchaus regen- und gewittererprobte - Jacke hat es dieses Mal nicht geschafft. Frauchen kam triefend nach Hause. Merke: 35 % Regenwahrscheinlichkeit heißt 35 Minuten Starkregen, hehehe.
Beweis genug? Wer will uns buchen?

Bis bald Euer Iwan

Dienstag, 4. Juli 2017

Geht nicht ohne Nicht-Läufer

Hallo Leute,

heute möchte ich einmal eine Lanze für uns Nicht-Läufer brechen, die mit einem Läufer zusammen sind, zusammen wohnen, wie auch immer verbandelt sind. Der Partner wird dann nämlich auch zu
  • dem Motivator, wenn es mal wieder heißt "warum tue ich mir das an, läuft alles gar nicht gut"
  • dem Zuhörer, der sich auch das x.te Mal interessiert die Story vom "wie ich beim Achenseelauf umknickte und doch noch ins Ziel hoppelte" anhört
  • dem Begleiter, wenn es zu Wettkämpfen geht - Anreise zwischen 1 km und ca. 10.000 km, alles schon erlebt ...
  • dem Getränkeanreicher
  • dem Kleidungshalter
  • dem Fotografen
  • dem Ausbader von schlechter Läuferlaune - vor allem bei Verletzungen oder in Taper-Phasen.
Wenn ich da allein an Herrchen und uns Bären (entweder bin ja ich als Coach beim Rennen dabei, oder Fozzie) denke:
  • klaglos wird nachts um 4 Uhr aufgestanden, um Frauchen zum Start zu begleiten
  • bei Wind, Wetter, Kälte oder Hitze stehen wir am Streckenrand (Herrchen einmal über 2 Stunden in strömendem Regen, weil kein Unterstand da war im Start-/Zielbereich oder der Nähe)
  • immer das richtige Getränk, das gerade notwendige Utensil wird angereicht
  • motivierende Worte müssen gesprochen werden: auch wenn Frauchen aussieht, als ob sie gleich umfällt "sieht sie gut aus" (Rifflalp) oder "es sind nur noch wenige Meter" (nun ja, die aber bergauf)
  • von einem Fotopunkt zum anderen wird gerannt, um die optimale Fotoposition zu ergattern
  • wir warten (manchmal auch sehr laaaaange), bis Frauchen kommt und durchs Ziel geht. Sie ist nun mal nie unter den ersten 10, in Alcudia und am Moritzberg war sie sogar Letzte. Da steht man schon mal bei einem Halbmarathon 2:15 Stunden und muss die Zeit irgendwie rumkriegen. Wenn wir dann selbst an einen schönen Ort gehen können, passt es ja - in Alcudia beispielsweise saßen wir lange an einer Meeresbucht bei km 12.
    Aber oft ist es Hetze, wie am Achensee: Start fotografieren, schräg runterrennen (sozusagen die Hypotenuse), während die Läufer die Ankathete und Gegenkathete laufen, wieder fotografieren, hochrennen zum Auto, rüberfahren nach Achenkirch, Parkplatz suchen, vorrennen zur Laufstrecke am See, fotografieren (wobei Frauchen da gar nicht so scharf darauf ist), Cola light anreichen, Wasserflasche tauschen, motivieren, zurück zum Auto wetzen, zurück nach Pertisau fahren, rüber zum Zielbereich wetzen, auf Frauchen warten, leere Wasserflasche auffangen, mich anreichen fürs gemeinsame Finish.
    Das ist übrigens am Bettmerhorn, als Herrchen und ich mit der Seilbahn hochgefahren sind und die auf einmal stillstand ... Schrecksekunde ... und wir dann oben gewartet haben auf über 2.000 Meter Höhe.
  • und sich danach das ausschließliche Gesprächsthema "so war der Lauf, das ist bei km xx passiert, kannst Du Dir vorstellen, dass .." anhören und mit überlegen, wo denn die Sekunden gewonnen / verloren wurden.
Deswegen, liebe Läufer, sagt ab und zu auch mal Danke zu Euren Begleitern!

Bis bald Euer Iwan

Montag, 3. Juli 2017

Will zuviel: Be my girl

Hallo Leute,

Frauchen und ich sind eifrige Leser, und so hatten wir neben diversen anderen Schmökern auch schon wieder zwei Bücher "offiziell" zu lesen. Das erste klang vielversprechend:

"Be my girl"
Nina Sadowsky, erschienen bei Penguin, 13,00 Euro.

Dieser "Psychothriller" dreht sich um Ellie und Rob, auf den ersten Blick ein glücklich verliebtes junges Paar. Aber schon der Text auf dem Buchrücken verspricht "Rob verbirgt eine entsetzliche Vergangenheit" ... Und der Auftakt war auch ganz interessant - im "Jetzt" hat eine hübsche junge blonde Frau gerade in einem Ferienparadies einen Mann getötet. Schneidet ihm dann die Lippe ab ... So lernen wir Ellie kennen.
Das Buch springt die ganze Zeit zwischen Rückblende , zweifach Rückblende und dem Heute hin und her. So erfahren wir einmal die Kindheits-/Jugendgeschichte von Rob und Ellie, dann ihre Begegnung, das Verlieben und die Hochzeit, und im Heute, wie sie von Gangstern bedroht werden.
Wie es sich für einen ordentlichen Thriller gehört, sind sie natürlich viel zu gewieft, und können die Bösewichte austricksen. Aus auswegloser Situation heraus. Das Ganze wird dann noch garniert mit einer Geschichte um verschwundene kleine Jungs auf dieser ostkaribischen Ferieninsel, den Polizisten, der sie sucht und dann (selbstverständlich) auch noch familiär involviert wird, eien Geistergeschichte und noch einiges mehr.
Der Schreibstil ist durchaus spannungserhaltend. Die Story selbst driftet immer mehr ins "was kommt denn jetzt noch alles?" ab. Die Figuren, allen voran Ellie und Rob, bleiben blass. Ein Klischee jagt das andere. *Vorsicht Spoiler* So entpuppte sich Robs Stiefvater als Frauenschläger, Rob musste ihn dann, um die Mama zu verteidigen, töten, die Mama dankt es ihm nicht, weil sie sich lieber mißhandeln lässt, Rob muss fliehen und lebt auf der Straße - da ist man schon versucht zu fragen "was auch sonst?" Und am Ende wird noch ein Twist ins Buch eingebaut, bei dem man den Eindruck hat, die Autorin wollte unbedingt noch mal einen draufsetzen und ein überraschendes Ende bieten. Da dieser Twist (ich will hier nicht weiter spoilern) aber so etwas von unlogisch und unglaubwürdig ist, haben wir das Buch ziemlich verärgert zugeklappt.

Fazit:  1 Punkt - der ist für den durchaus guten Schreibstil, bei dem man anfangs noch eifrig immer weiterlesen will. Die Story ist aber so hanebüchen, immer noch ein Twist reingebaut, flache Figuren - das hat kontinuierlich weniger Spaß gemacht, weiterzulesen.

Das Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Danke schön dafür. Dies hat aber unsere Meinung nicht beeinflusst (wie man ja auch am Ergebnis sieht ...)

Bis bald Euer Iwan




Dienstag, 27. Juni 2017

Berge, Sonne, Kaiserschmarrn

Hallo Leute,

melde mich zurück aus den Bergen. Wir waren wieder mal in unserem Lieblingsort, Lenggries. 9 Tage. Kurzfassung für Leser mit wenig Zeit: viel Sonne, rund 130 gelaufene Kilometer, rund 3.000 Höhenmeter (Frauchen) / 700 Höhenmeter (ich), 3 Kaiserschmarrn, 3 Rüblikuchen, ca. 30 Bremsenstiche.


Und hier die Langfassung: in einem solchen Urlaub wechseln wir immer ab - den einen Tag ein möglichst langer, effizienter Trainingslauf für Frauchen. Da haben wir insgesamt 4 machen können, jeweils zwischen 120 und 150 Minuten. Zweimal mit ordentlich Höhenmetern und Trailstrecken, zweimal eher gemächlich über Wiesen und an der Isar entlang. Was gut klappte: die (für Frauchen doch lange) Belastung, die sie ohne Probleme wegsteckte und dann mittags noch munter für eine Wanderung oder Minigolf war. Ebenso klappte es mit dem Rantasten an die Aufnahme von Salztabletten und Powershots - alles im Hinblick auf den Karwendelmarsch.Was gar nicht klappte, weil Frauchen einfach nicht so spurte: Laufen mit Rucksack. Ich habe ihr andauernd gesagt, sie muss nun mal damit anfangen. Aber nein, der Ausreden fand sie viele .... ihre Laufhosen haben große Taschen, ihr Getränk hält sie seit Jahren in der Hand ... aber nix gibt es, sie muss es nun endlich trainieren!
Lieblingsstrecke war wieder: Von der Bretonenbrücke südlich Lenggries am Isaruferweg nach Lenggries, dort auf den Höhenweg wechseln, bis Wackersberg, dort Richtung Waldherralm, über die Wiesen Richtung Brauneck / Benediktenwand (immer wieder ein Wahnsinnspanorama), zurück nach Arzbach, dort auf dem Isaruferweg zurück zur Bretonenbrücke. Macht je nach Schleife hier und Schleife da 25 bis 28 km.

An den "weniger Belastungs-"Tagen (haha, höre ich da Frauchen hohnlachen) gab es jeweils eine Wanderung und danach ein kleines Läufchen. Bei einer Wanderung haben meine Menschen dann auf einer verlassenen Alm im Karwendel ganz viele Murmeltiere gesehen. Nur fotografieren ließen sich diese pelzigen Biester nicht so toll:

Und am letzten Tag habe ich, zur besseren Kontrolle und Motivation, Frauchen auf die Hochalm begleitet. Das ist der Berg direkt hinter unserer Pension, 700 Höhenmeter in 80 min., und leider entgegen dem Namen oben keine Alm zur Einkehr. Nur eine schöne Aussicht. Die anderen Wanderer dort oben haben etwas irritiert geschaut, als mich Frauchen aus der Tasche holte und ich für die Fotos posieren durfte ....






Ach ja, schön warm war es ja auch. Da zeigte sich wieder, dass Frauchen ein Hitzeläufer ist. Bei allen anderen heißt es: Tempo runter, Puls rauf bei Temperaturen ab 23 Grad (steht so in der Runners World). Bei ihr heißt es "prima Tempo, Puls 10 Schläge weniger als sonst" ab 30 Grad. Sehr seltsam, das ...

Und als Belohnung gab es dann dreimal Kaiserschmarrn, dreimal ein Stück Rüblikuchen und zweimal den berüchtigten Eisbecher "Haiti" (der ist größer als ich!).

Fazit: gute Grundlage gelegt für den Karwendelmarsch, aber Frauchen muss weiter ausbauen. Auf jeden Fall hatten wir einen schönen Urlaub - ich wollte eigentlich gar nicht mehr nach Hause!

Bis bald Euer Iwan

Sonntag, 11. Juni 2017

Macht süchtig: Junktown

Hallo Leute,

ich war fleißig mit Lesen ... Frauchen natürlich auch. Neben dem Schmalz/Lachroman hatte sie sich auch einen echten Kracher zuschicken lassen, etwas für harte Kerle, äh Bären.

"Junktown"
Matthias Oden, erschienen bei Heyne, 12,99 Euro.


Junktown ist die Stadt der Zukunft. Konsum ist Bürgerpflicht. Drogen bekommt man vom Staat, und es wird auch monatlich kontrolliert, ob man seine Drogen auch brav genommen hat. Heroin, Ritalin, alles was sich ein Junkie nur wünschen könnte. Und Maschinen haben viele Aufgaben übernommen.

Zu Anfang kamen wir etwas schwer rein ins Buch. Denn eine dieser Maschinen -eine "Brutmutter" mit 800 Föten - wird ermordet. Die Menschen kriegen ihre Kinder nämlich nicht mehr auf natürlichem Weg, das übernehmen Maschinen. Natürlich werden die Föten "vorbestellt" und konfiguriert. So haben später für Büroarbeit Vorgesehene einen Kartenleseschlitz oben an der Schläfe ... Beziehungen zwischen Mensch und Maschine sind auch normal, nicht nur körperliche, sondern auch echte Liebesbeziehungen. Und die ermordete Brutmutter hatte einen (menschlichen) Freund, wollte sich aber wegen ihres Liebhabers von ihm trennen. Auftritt Phillip Marlowe / Sam Spade / Humphrey Bogart, ach nein: hier heißt der lonesome wolf ja Solomon Cain. Inspektor, verwitwet, und innerlich schon sehr weit von Konsum- und Drogenzwang und dem Regime entfernt. Und so entwickelt sich einerseits ein klassischer Krimi wie aus Hollywoods schwarzer Serie der 1940er Jahre. Wem kann Cain trauen, er ist inzwischen ein Zyniker, die undurchsichtige Schöne - spielt sie ein falsches Spiel ... usw. Spannend geschrieben, mit überraschendem Ende.
Was das Buch aber absolut zum Tipp macht, ist die Welt, die der Autor beschreibt. Voll bizarrer Einfälle: So muss man Müll kaufen und in seinen Garten streuen, um zu zeigen, wie wohlhabend man ist und wie viel man konsumiert. Nur über den immer ausreichenden Drogenkonsum kann der Staat seine Macht erhalten. Von jedem Menschen gibt es einen Scan der Gehirnströme, so können ausgebildete Greifermaschinen sofort jeden Gesuchten aufspüren. Und richtig heftig: die Menschheit ist in sogenannte Humanklassen eingeteilt, je nach Wichtigkeit für die Gesellschaft. Und wenn man nicht mehr wichtig ist, dann wird man auf "D" herabgestuft. Bedeutet "Ausfall", man wird zum Recyclinghof gebracht und dort die biologisch verwertbaren Körperteile ausgesiebt. Anderes Wort für Todesurteil also. Mehr wollen wir hier nicht verraten.

Fazit:  5 Punkte - aber wohl eher ein Buch für Fans von harter Literatur, kein "Psychothriller" wie es zur Zeit so viele gibt. Oder andersherum (entschuldige, Frauchen) - nicht gerade ein Frauenbuch.

Das Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Danke schön dafür. Dies hat aber unsere Meinung nicht beeinflusst.

Bis bald Euer Iwan