Mittwoch, 3. Februar 2016

Miami: Eiskalt zur neuen Halbmarathon-Bestzeit

Hallo Leute,

die offline-Zeit für mich ist vorbei, meine Menschen sind wieder aus Florida zurück. Zuerst der Laufbericht, der Reisebericht folgt dann in einem separaten Post.
Bevor ich an meinen Kumple Fozzie (der ungerechterweise statt mir mitfahren durfte) abgebe, noch kurz zwei Anmerkungen: 1. es ist nervenaufreibend, hier zu sitzen und Daumen / Tatzen zu drücken statt über dem großen Teich dabei zu sein und 2. ich bin der beste Coach der Welt! Jawoll! Warum ich mit stolzgeschwellter Brust dasitze, erzählt Fozzie.

"Bin ja nun schon geübter Florida-Flieger, aber der Hinflug hat mich geschafft. Freitag früh um halb fünf aufstehen, bei minus 14 Grad zur U-Bahn und zum Flughafen tigern, dann Zubringerflug nach Düsseldorf und dort endlich in die Miami-Maschine. Flug bis zur US-Ostküste wie üblich angenehm, ich reise ja immer in der gepolsterten Seitentasche von Frauchens Tasche. Aber dann! Wintersturm über N.Y und Washington hat uns voll mit erwischt, starke Turbulenzen, immer langsamer geflogen. Habe dann so langsam mal Frauchen um eine Ihr-wisst-schon-was-Tüte gebeten. Konnten erstmal in Miami nicht landen, wegen schwerer Gewitter. Flug über Bahamas umgeleitet, dann in Warteschleife. Nach über 11 Stunden dann endlich Bodenkontakt, ich war fertig mit der Welt. Was aber dieses Jahr schick war - keine Warteschlangen bei den Immigration Officers, sondern schnell und bequem an so was wie "Eincheck-Maschinen". Meine Tatzenabdrücke wollte aber keiner ... statt 30 bis 60 Minuten waren wir in 7 Minuten "drin". Auto abgeholt und zum Hotel direkt an der Bayside gefahren. Dort sollten auch Start und Ziel sein. Leider aber nicht mehr die Expo mit den Startunterlagen, die war bis 2015 immer da. Und nun per Shuttle auswärts. Glück gehabt, noch das vorletzte Shuttle am Abend erwischt - unserer Zeit nach Mitternacht, in Miami kurz vor 18 Uhr. Alles triefte von den Gewittern, wir standen im Feierabendstau. Sehr schlechte Location für eine Expo, in einem Gewerbegebiet, keine Parkplätze, überfüllt, Chaos regierte. Frauchen wühlte sich blitzschnell durch die Registration und zur Goodietüte.
Ich konnte gerade noch ein paar Gutzi-Fressalien an den Ständen abgreifen, dann waren wir schon wieder auf dem Rückweg. Der Shuttlebus war übrigens ein (unbequemer) gelber Schulbus, wie man ihn aus Filmen kennt. Allein hätten wir da aber im Leben nicht hingefunden ...

Samstag: trocken und kühl, so um die 16 Grad. Ziemlich kalter Wind, das waren die "Grüße" vom Wintersturm weiter oben an der Ostküste. Ich habe mich an Iwans Coachingvorgaben gehalten (die er mir ja nur ungefähr 17mal eingetrichtert hat) und Frauchen nachmittags noch zum kurzen Einlaufen geschickt. Vorher waren wir noch in den Everglades, aber so ein Alligator taugt als Schrittmacher nicht - bei Kälte sind die sehr reaktionsfaul.

Sonntag früh halb fünf aufstehen - nicht so schlimm, weil wir ja noch nicht ganz auf amerikanische Zeit eingestellt waren. Halben Muffin und ganze Banane gemümmelt (Frauchen), Herrchen und ich haben zugeguckt. Für uns sollte es ja, wenn Frauchen lief, ans Frühstücksbüffett gehen. Dann anziehen. Temperaturvorhersage 8 Grad. Eigentlich 7,5 Grad. Deswegen sind wir ja auch nach Florida gereist, um dort in der Wärme zu laufen, haha. Frauchen todesmutig die kurze Hose angezogen. Und oben herum Untershirt, Laufshirt, Langarmshirt, winddichte Jacke. Und hat schwer bedauert, dass sie kein Halstuch usw. dabei hatte. Rausgegangen und fast wieder zurückgerannt. Es waren zwar nur ca. 500 Meter bis zu Frauchens Startblock, aber bis dahin hatte sie schon apart blaue Beine. Zu den chilligen Temperaturen kam noch ein ab-so-lut eisiger Wind. Und wenn Ihr glaubt, ich übertreibe, weil Frauchen ja erst ab 20 Grad überhaupt von nicht-mehr-kalt spricht: der Miami Herald hat über diesen kältesten Lauf ever auch geschrieben und sich gewundert, wie viele Floridianer Skiausrüstung (Gesichtsmasken usw.) besitzen ...



Die Dixies waren hart umkämpft, denn jeder, der drin war, kam ewig nicht mehr heraus. Kein Wunder, da drin war man ja vor dem Wind geschützt! Viertel nach fünf ist Frauchen dann in ihren Startblock. Und wir zur Startlinie. Frauchen hat sich dann gleich mal wie alle anderen Läufer auch ziemlich eng aneinander gedrückt, und alle haben mehr oder weniger getanzt, gehüpft .... alles, nur um nicht komplett einzu-eisen. Hat aber wenig geholfen, als die Nationalhymne live gesungen wurde, spürte Frauchen ihre Füße eigentlich kaum noch. Die Orga war gut, ihr Startblock (H) kam genau 16 Minuten nach 6 Uhr über die Startlinie. Danach sind Herrchen und ich erstmal ins Hotel, uns wieder aufwärmen, im warmen Bett und ab 7 Uhr am Büffett mit heißen Tee."
Ganz ehrlich, Fozzie: das macht man nicht. Man bleibt an der Strecke und friert mit und feuert an!
"Nein, Iwan, hättest Du auch nicht! Der Streckenverlauf musste leider auch gegenüber den Vorjahren geändert werden, sodass die Läufer zweimal über den MacArthur Causeway (und damit insgesamt 4 Anstiege zu Brücken) mussten. Frauchen hatte sich genau nach Iwans Vorgabe an den Pacemaker für 2:15 Stunden angeschlossen. Ihre bisherige Bestzeit war 2:14:54, gelaufen 2008, seitdem war sie wie ein Uhrwerk immer zwischen 2:19 und 2:22 ins Ziel gekommen. Der Pacemaker, Luis aus Venezuela, war gewöhnungsbedürftig. Aber extrem gut, wie sich herausstellte. Wie ein Uhrwerk die Meilenzeiten eingehalten, immer gute Zwischeninfos, mit Beruhigung, wie man in der Zeit liege, mit Tipps zum Gegenwind-Laufen und Trinken, das alles auf Englisch und Spanisch. Und nun kann er auch auf deutsch "Windschattenlauf" sagen ... So verflog die Zeit recht schnell. Sehr putzig die Tipps für die Brückenanstiege - es hörte sich so an wie für den Zermatt-Halbmarathon. Gab übrigens auch Extra-Trainingseinheiten vorab für diese Anstiege! So sieht übrigens der MacArthur Causeway (Verbindung zwischen Miami und Miami Beach) an normalen Tagen aus:

Ansonsten: es wurde einfach nicht wärmer. Nur windiger. Am Ocean Drive, im Art Deco-Viertel, gab es zwar keine Nachtschwärmer, aber einen Herrn mit seinen zwei Schäferhunden. der unbedingt die Straßenseite wechseln musste. Frauchen und ein paar andere Läufer sind fast über die Hunden gefallen. Ansonsten sind Läufe in den USA immer sehr abwechslungsreich. Erstens kann man da Sprachen üben (englisch und spanisch), zweitens sind immer sehr unterhaltsame Schilder am Wegrand ("und das alles machst Du, nur um eine kostenlose Banane zu kriegen?"), drittens feuern die Zuschauer wirklich alles an, und viertens sind die Läufer sehr gemischt. Beeindruckend fand Frauchen dieses Mal die mitlaufenden orthodoxen Jüdinnen - mit Kopftuch, knielangem Rock zum Teil.
Gegen 7 Uhr war die Sonne aufgegangen, es wurde immer noch nicht wärmer. Zurück über die lange Brücke zwischen Miami Beach und Miami Downtown ordentlich Gegenwind. Und nix zu gucken, weil Hecke bzw. Mauer am Rand. Zieht sich. Dann das letzte Mal einen Brückenanstieg hoch (komisch, meinte Frauchen, mit dem Auto merkt man den gar nicht). Dazwischen stand ganz entspannt ein TV-Team und interviewte Läufer. Meile 11 und Frauchen hielt immer noch das Tempo. Bzw. setzte sich sogar ein paar Sekunden von der Pacemaker-Gruppe ab an der letzten Getränkestelle. Und dann zoooooog es sich. Auf der letzten Meile taten die Waden höllisch weh. Und immer noch kein Tropfen Schweiß geflossen, ihr war weiterhin kalt. Und nun musste sie auch noch die Jacke ausziehen, damit die Rennfotografen die Startnummer sehen konnten! Letzte Linkskurve, Endspurt. Angetrieben von den Rufen des Pacemakers hinter ihr - da wusste sie, es wird eine Zeit unter 2:15 - aber reicht es zur neuen PB? Jawoll, große Freude, 2:14:37 Uhr - hurra. Schnell das "Siegerfoto" mit mir gemacht, eines mit Pacemaker Luis (Danke!) 
und dann durch endlose Wegstrecken zur Medaille, zu Bananen und Wasser und ins Hotel zum Aufwärmen. Insgesamt waren über 23.000 Läufer am Start, dafür war die Organisation top."

So, genug geplappert, Fozzie! Nun übernehme ich wieder. Denn nur Dank meines umgestellten Trainings war Frauchen so schnell. Seit Wochen muss sie einbeinige Kniebeugen und Hantelübungen für den Oberkörper machen. Hat sie sich jahrelang davor gedrückt, aber es scheint ja zu wirken.
Sie wurde insgesamt 6.611 von 14.491 Startern beim Halbmarathon, bei den Frauen 2.479 von 7.473 Damen und in ihrer Altersklasse 156. (laut Übersicht, laut Urkunde 157.) von 556. Sehr gutes Ergebnis, ich bin zufrieden. Obwohl - wer weiß, wie schnell sie bei für sie angenehmeren Temperaturen gewesen wäre?


Fazit: für 85 US-Dollar schöne Goodie-Bag, gutes Funktionsshirt, hübsche Medaille, gute Organisation (bis auf die Expo-Location), Strecke auch schön, viel zu gucken, und neue PB. Also alles im grünen Bereich, bis aufs Wetter. Dass das allerdings noch schlimmer konnte, dazu mehr im nächsten Blog-Post.

Bis bald
Euer Iwan

Kommentare:

Lauf Markus hat gesagt…

Temperaturen waren doch perfekt ;) Nur der Wind vielleicht nicht ganz so! :)
Glückwunsch zur PB!

iwan hat gesagt…

Danke, Markus :-)
Für Dich mögen solche Temperaturen ja perfekt sein, für Frauchen sind sie echt mindestens 10 Grad zu kalt gewesen. Aber Danke für den Glückwunsch, aus solch berufenem Munde - denn Deine Bestzeiten sind ja meilenweit besser ... aber für uns war das nach 8 Jahren immer-wieder-gegen-diese-Zeitmauer-anrennend top.

Laufwelt hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch zur neuen PB!!! Da kann Frauchen wohl auch bei niedrigen Temperaturen schnell laufen :-)
Aber mit dem Wetter hattet Ihr dann wohl echt Pech ... Und den Flug hätte ich auch nicht unbedingt erleben wollen ...
Bin nun noch auf den Reisebericht gespannt!

iwan hat gesagt…

Hallo Manu,

Danke. Dein Lauf 2014 war bei den heißesten Austragungen bisher, da hat Frauchen dieses Jahr wirklich Pech gehabt ;-) Am Reisebericht hat Frauchen gerade getippt, als Du hier kommentiert hast ...