Montag, 8. August 2016

Pitz Alpine Trail: 15 km tolle Strecke, 850 Höhenmeter, 37 Schlammlöcher

Hallo Leute,

letztes Wochenende waren wir (das hatte ich glaube ich schon das ein oder andere Mal angekündigt) im Pitztal, zu unserem ersten "echten" Bergtrail. Also: das Wetter am An- und am Abreisetag war fantastisch. Tja. Aber nur an diesen Tagen.
Wir kamen Donnerstag an, in Mandarfen, das liegt ganz ganz hinten im Pitztal, auf 1.640 Metern. Ziemlich erschöpft, denn in Frauchens Auto war die Klimaanlage kaputt gegangen. Und die ganze Fahrt (5 Stunden) knallte die Sonne herunter, es hatte über 30 Grad (draußen), wir sind erst nach der Arbeit losgefahren ... da mutete die Frage der Dame an der Hotelrezeption schon seltsam an: "Sie sehen etwas erschöpft aus. Möchten Sie erst in Ruhe etwas trinken, und dann einchecken?" Neeeeiiiiin! Wir wollten gleich aufs Zimmer, und dann noch beim letzten Rest Tageslicht ein bißchen das Pitztal angucken. Wobei Frauchen gleich mal ein Reh hochgescheucht hat, mit ihrem lautstarken Lachen. Was ihr (und mir) aber am nächsten Tag vergangen war. Es regnete. In Strömen. Bei nurmehr nur noch 8 Grad. Schneefallgrenze so bei ca. 2.500 Metern. Und es regnete weiter. Den ganzen Tag. Und die Nacht. Das Einlaufen war mehr ein Einschlottern. Glücklicherweise war es nicht weit zum Start- und Zielbereich - raus aus dem Hotel, nach 5 Metern rechts und man war da. Ein Lob an die Veranstalter - alles top organisiert. Und der Läufer sowie seine Sicherheit standen im Vordergrund. Daher wurde auch der Marathon, der über den Gletscher führen sollte, aufgrund der widrigen Wetterbedingungen abgesagt - Neuschnee, kalter Wind, rutschig. Und die Starts alle etwas nach hinten verlegt.
So kamen wir Samstag erst um 9:30 Uhr dran. Und pünktlich 5 vor neun hat es auch aufgehört zu nieseln. Wir guckten dem Start der Marathonläufer über die "Normalstrecke" (also nicht über den Gletscher) zu - da waren die "Ultras" (100 bzw. 85 km) schon Stunden auf der Strecke ... Und plötzlich fiel mir die Kinnlade nach unten - direkt über uns im Berg, in den Serpentinen, sahen wir die gestarteten Läufer. Frauchen scharrte aber schon mit den Hufen; das kann auch aus Kälte gewesen sein, ich hatte ihr zu "kurz" unten herum geraten und es hatte immer noch frische 9 Grad. Da ging es also hoch:












Herrchen und ich schickten Frauchen auf den Weg und machten uns dann auf zur Seilbahn. Während sie die ersten 650 Höhenmeter auf einem Bergpfad anging, gondelten wir gemütlich in der Seilbahn nach oben. Frauchen: direkt nach 500 Metern Laufen Stopp, Stau und Warten, bis wir alle einer nach dem anderen auf den Pfad konnten. Eigentlich war es "Speed-Hiking", aber nach ca. 5 Minuten hatte ich meinen Rhythmus gefunden, überholte noch so ca. 10 Läufer und dann ging es kontinuierlich hoch. Das einzige Problem: ein Bach dachte, es wäre sein Weg, und plätscherte uns gemütlich entgegen, was die Sache doch etwas rutschig machte. Schneller als gedacht war ich dann oberhalb des Rifflsees angekommen. Leider hatte sich die Sonne wieder verzogen, ein kalter Wind pfiff, man zog sich also schnell die Windjacke über die verschwitzten Sachen. Ja, da kam sie auch schon angetrabt! Für die Höhe von 2.300 Metern sah sie recht frisch aus - schnell ein Foto von uns beiden gemacht. dann ging es weiter.

Erstmal wieder 68 Höhenmeter nach unten, dann auf gemütlichem "Parkweg" einmal um den Rifflsee herum. Das wäre ja sehr nett gewesen, wenn ich nicht das Gefühl gehabt hätte, Stöcke statt Beine unter mir zu haben - so steif waren sie. Anscheinend mochten sie die Umstellung von "schnell bergauf wandern" zu "jetzt laufen wir aber mal wieder" nicht so .... Am Ende der Umrundung kurz noch von Iwan und meinem Mann die volle Wasserflasche erhalten, und dann ging es in einen sehr schönen Wegteil. Oberhalb des Taschachtales auf schmalem Bergpfad entlang, mit bei schönem Wetter sicher atemberaubendem Panorama. 




So konnte man es ab und zu erahnen, das war schon toll. Weniger toll waren die nassen und schlammigen Passagen - und ein schnellerer Läufer von der 26-km-Strecke, der mich einfach vom Weg herunterrammte - mit dem rechten Knie voll auf einen Felsen drauf. Nicht lustig. Ich habe jeden schnelleren Läufer vorbeigelassen, aber an der Stelle konnte man nicht ausweichen ... dachte ich. Kurz die Englein singen hören, dann weiter. Die schlammigen Schuhe durch einmal Ausrutschen im Bach wieder sauber gekriegt. Sie waren ja auch eben erst trocken geworden! 
 
Dann teilten sich die Strecken wieder - die 26 km-Läufer durften weiter hoch über dem Tal laufen, wir mussten in Serpentinen runter. Bloß - wo war denn bitte schön der Weg? Außer einigen Tritten und der Markierung des Veranstalters hat man nichts gesehen. Egal - rein ins Vergnügen ... Da insgesamt "nur" 102 Starter über die 15,8 km gemeldet hatten, verteilte es sich auch ... man hatte so in 50 Meter Vorsprung einen Läufer, und weit hinter einem niemanden mehr. Also fast ein Einzellauf. Endlich - da war der breite Weg, der dann über 6 km wieder leicht bergab ins Ziel führen sollte.



Aber zu früh gefreut! Die bisherigen 36 Schlammlöcher waren noch gar nichts gegen das Monster, das mich ca. 5 Meter vor dem "rettenden" Weg noch erwischte: mit dem linken Fuß bis über den Knöchel im Morast versunken ... Das stete "quaaastsch, quaaatsch"-Geräusch begleitete mich dann auch bis ins Ziel.

Ich konnte es kaum fassen, denn ich hatte eine Zeit um 3 Stunden ausgerechnet - schon nach 2 3/4 Stunden kam Frauchen über die Brücke Richtung Ziel! Ich schnell aufgesprungen, denn - Ehrensache - ich wollte wieder mit finishen. Was wir nach etwas über 2:48 Stunden auch getan haben - der Organisator im Ziel war so von mir fasziniert, dass er ganz vergaß, Frauchen ihre wohlverdiente Medaille umzuhängen!




Ergebnis: Platz 29 von 46 gestarteten, 41 ins Ziel gekommenen Damen, auch noch 5 Herren hinter sich gelassen. Muskelkater hielt sich auch in Grenzen. Startgebühr 19 Euro für den 15,8 "Einsteiger"-Lauf waren auch o.k., das Startersackerl war gut gefüllt. Nur das Funktionsshirt musste man dazu kaufen, schade. Aber das ist jetzt Meckern auf sehr hohem Niveau. Uns hat es auf jeden Fall Spaß gemacht, und eigentlich wollen wir nächstes Jahr wiederkommen. Um die Berge mal bei Sonnenschein zu sehen, dann sehen sie nämlich so aus (das war am Tag nach dem Rennen):





 Am sonntag früh haben wir noch etwas mit dem Zweitplatzierten vom Ultralauf (100 km in etwas über 12 Stunden gefinsiht, 3.600 Höhenmeter) gefachsimpelt. Was Frauchen beruhigte - er lief auch etwas unrund. Wasm ich mehr beunruhigte - sein Tipp, um besser bergab zu kommen: statt 15 Mal bei uns den "Berg" im Marienbergpark hoch und runter, 50 Mal!!! Wie bringe ich das nur Frauchen bei?

Ach ja, und zu guter Letzt ist für mich als Coach dann tatsächlich auch noch ein Kaiserschmarrn abgefallen. Den hatte ich mir redlich verdient!
Bis bald Euer Iwan


Kommentare:

Lauf Markus hat gesagt…

Sehr cool!
Habe ich mir auch schon angesehen, wenn auch ne länge Distanz ;)

iwan hat gesagt…

Hallo Markus,

das war doch nur zum "Einsteigen" - 2017 melde ich Frauchen für die 26 km an ;-)
Lohnt sich auf jeden Fall, und Deine Familie kann Dich auch an verschiedenen Stellen (gut mit Seilbahn zu erreichen) anfeuern ...
Gruß Iwan

Laufwelt hat gesagt…

Herzlichen Glückwunsch zum Finish bei diesen Bedingungen! Hoffe die Schuhe habt Ihr wieder sauber bekommen :-)

Und der Kaiserschmarrn war sicherlich auch lecker (und wohlverdient)!

iwan hat gesagt…

Danke, Manu! Ja, die Schuhe gingen gleich mit unter die Dusche und sind wieder sauber :-) Du kannst sie dann in Salzburg bewundern ...
Gruß Iwan