Dienstag, 9. August 2022

A paradise lost

 Hallo Leute,

neulich habe ich es ja schon mal angespoilert: es ist ein böser Fehler, an die Stätte schöner Kindheitserlebnisse zurückkehren zu wollen. Wir wollten die Weinheim Trails mit einem Abstecher in den Odenwald verbinden. Ziel waren zwei kleine Dörfer, Ober-Absteinach und Löhrbach. Die Familie von Frauchens Mutter war im zweiten Weltkrieg von Frankfurt nach Ober-Absteinach evakuiert gewesen. Nach dem Krieg sind Frauchens Großeltern, und später dann auch Frauchens Mutter mit damaligem Freund, späteren Mann und Papa von Frauchen, dort in Urlaub hingefahren. Denn es war eine nette Freundschaft mit der Gastfamilie entstanden, die eine Wirtschaft mit Pension hatten. Die "Rose". Frauchen war als Kind besonders fasziniert von den Aquarium mit den Guppys, sowas kannte sie gar nicht. Halt alles 60er/70er-Jahre-Stil. 

Frauchen verlebte dort fröhliche Ferientage, Spielen mit den Dorfkindern, wandern und ... sie lernte dort auch reiten, denn die Familie hatte einen Stall, diverse Springpferde und auch Islandponies. Zuerst musste der Papa das Inslandpony "Susi", mit dem ca. 7jährigen Frauchen stolz obendrauf thronend, selbstredend alles ohne Sattel, am Zügel durch den Wald führen. Später ritt Frauchen "Baldur", einen schwarzen Isländer mit rostroter Mähne, dem sie auch ihre ersten Sprünge - immer noch ohne Sattel - verdankte. Lang ist´s her.

Eine Anekdote, an die sich Frauchen aufgrund ihres damals sehr jungen Alters nicht selbst entsinnt (und man muss dazu wissen, dass sie ein kleiner Wildfang war, und der Papa sich auch für keinen Spaß zu schade): Frauchen, ca. 1 Jahr alt, elegant gekleidet in einem weißen "Teddy"anzug. Sitzend im Kinderwagen. Papa schob den Wagen durch den Wald, von Ober-Absteinach Richtung Löhrbach - leicht bergab. Laaaangweilig. Also stellte sich Frauchen, klammerte sich an der Querstrebe fest und forderte Papa auf zu "schneller, schneller". Was Papa machte .... Beide hatten sehr viel Spaß, bis eine besonders fiese Wurzel kam, die Frauchen kopfüber aus dem Kinderwagen und in eine leicht schlammige Pfütze katapultierte. Das Entzücken von Frauchens Mutter, als sie beider ansichtig wurde, könnt Ihr Euch vorstellen.

Kurz gesagt: wunderschöne Erinnerungen. Frauchen wollte Herrchen diese Stätten zeigen. Ich war auch gespannt, ich war ja schon damals steter Begleiter von Frauchen auch in den Urlauben. Ach ja, da ist die Kirche von Ober-Absteinach, dann muss doch hier irgendwo die "Rose" sein ...  Wir parkten auf einer freien Fläche und dappelten einmal die Straße auf und ab. Nichts wiedererkannt, keine Gaststätte "Rose", keine Wiesen, sehr viel zugebaut. Hm. Dann sagte Herrchen "Guck mal, da steht eine Tafel":

Tja, dann wussten wir Bescheid. Eine Tafel zum Andenken war alles, was noch übrig war. Und unsere Erinnerungen an tolle Kindheitstage im Odenwald.

Bis bald Euer Iwan

Montag, 1. August 2022

Prima Premiere: Die Weinheim Trails

 Hallo Leute,

wir wohnen zwar jetzt in Nürnberg, in der Kindheit war Frauchen mit den Großeltern, Eltern und natürlich auch mir öfter im Odenwald, Ober-Abtsteinach, Löhrbach, Ausflüge nach Weinheim und Heidelberg. Als mir eine Ankündigung für ein neues Trailevent von Plan B in die Tatzen fiel, bin ich daher sehr schnell "mausgerutscht". Denn Plan B haben wir als super Veranstalter bei den Women Trail-Wochenenden kennengelernt. Und so konnten wir gleich auch Kindheitserinnerungen auffrischen. *Spoilerwarnung*: there´s no way back!

Ich hatte Frauchen für die 11,5 km, 360 Höhenmeter angemeldet, Start/Ziel in Weinheim an der Bergstraße. Gewohnt haben wir aber in Heidelberg, man könnte mit der Bahn / Straßenbahn hinpendeln, so der Plan. Hahaha. Aufgrund der zu erwartenden Hitze wurde der Start von 11 Uhr auf 8:30 Uhr vorverlegt. Also Plan mit den Öffis aufgegeben, Ausschlafen und ausführliches Frühstück am Hotelbüffet aufgegeben. Und wofür? Klappern bei 20 Grad morgens hieß das für Frauchen!

Freitag fuhren wir also mit gefühlt Tausenden anderen Autos auf der Autobahn nach Heidelberg. Und damit dieses kuschelige "wir sind ganz viele auf dieser Welt"-Feeling auch anhielt, war Heidelberg von Touris überschwemmt. Menschenmassen wohin bär schaute. Da ist sogar das wandermuffelige Herrchen freiwillig mal eben 330 Höhenmeter auf den Heiligenberg gewandert, hat sich dort ausgiebig Ruinen angeschaut und damit Frauchen mal wieder vom Tapern abgehalten. Aussicht auf Heidelberg:

Samstag dann das obligatorische Sightseeing-Programm: Schloss, Königstuhl, Neckarfahrt. Ich habe dankend verzichtet. Gut, Frauchen war das letzte Mal 1985 in Heidelberg, da war es ein gemütliches Städtchen mit Studentenflair. Aber das jetzt? Abends sind wir nach Weinheim gefahren, Registrierung und Startersackerl abholen. Da war es genauso voll! Und Frauchen durfte sich auf dem überfüllten Parkplatz von so einem Fischkopp (sorry, aber das war wirklich ein Vollidiot) beschimpfen lassen, ob sie zu blöd zum Autofahren sei - sie stand etwas schräg. Um zu rangieren, musste sie zurücksetzen, da stand besagter Autodepp, wich und wankte nicht, sie konnte nicht zurücksetzen, er nicht vorbei ... irgendwann quetschte er sich doch vorbei. Laune also mies. Weinheim sehr hübsch, aber auch viel voller und größer als in der Kindheitserinnerung. 


 Das war das Startersackerl:

Sonntag, Raceday, 6 Uhr Aufstehen, 8 Uhr Eintreffen in Weinheim, 8:01 Uhr Feststellen, dass man die Wasserflasche im Hotel vergessen hatte. Den Becher aus der Pflichtausrüstung auch, weil frau ja besagte Wasserflasche hatte. Nicht. Also Herrchen offenen Bäcker gesucht und Wasser gekauft. Frauchen offene Toilette gesucht. Und das war das einzige Manko bei der sonst perfekten Orga: kein Dixie, keine Ausschilderung, wo das nächste WC wäre, kein Hinweis. Frauchen bettelte gar liebreizend einen Cafebesitzer an, der gerade aufmachte und Erbarmen hatte ...

Der Start ging vom Marktplatz Richtung Schlosspark hoch, gleich mal schön bergauf. Und Frauchen gleich mal Letzte.


 So, ab hier erzähle ich. Im Schlosspark dachte der mitlaufende Labrador eines Starters angesichts des Weihers "oh prima, Verpflegungsstelle 1 für mich" und bog gleich mal dahin ab, den Läufer hinter sich her zerrend. Raus aus dem Park, erstmal eben über breite Waldwege, dann einen sehr schönen schmalen Weg immer ansteigend bis zum höchsten Punkt der Strecke, Geiersbergkopf. An allen neuralgischen Punkten standen Helfer, wiesen ein, feuerten an - einfach prima. Von da oben hatte ich eine spektakuläre Aussicht in die Tiefebene. Aber keine Zeit verlieren, hurtig weiter. Über Pfade und dann Waldwege ging es bergab. Mit etwas Bangen dachte ich an den angekündigten Streckenabschnitt "Mountainbike Trail". Aber gerade ging es noch schön auf einem breiten Forstweg dahin - ups, was war das? Aus dem Augenwinkel sah ich, dass die Läuferin neben mir abbog! Da hatte ich glatt vor lauter "schöne Gegend gucken" eine Abzweigung übersehen. Wobei die wirklich alle gut markiert waren, mit Pfeilen am Boden und Bändern in Augenhöhe.
Dann kam die MTB-Strecke. Was soll ich sagen? Einfach ein schöner, bequemer, Single Trail mit ein paar Wurzeln, da hätte ich sehr viel Schlimmeres erwartet. Sogar einen langen Blick auf die gegenüberliegende Burgruine Windeck konnte man riskieren, da sollte es ja noch hingehen ...


Nun erstmal ziemlich steil auf einem Forstweg runter zu km 7,1, Verpflegungsstelle. Und die Helfer waren so etwas von motiviert, enttäuscht, dass ich mein eigenes Wasser dabei hatte, zählten auf, was sie alles im Angebot hatten - da habe ich dann halt zwei Apfelschnitze gnommen. Es gab noch Melone, Salzstangen, Banane, Gurke ... Über die Straße, Waldpfad steil hoch. So nach und nach habe ich ein paar Läufer und Läuferinnen eingesammelt, Letzte war ich schon lange nicht mehr. Aber plötzlich wurde ich schwungvoll überrannt, inzwischen auf einem Forstweg. Die Führenden des langen Kanten (knapp 25 km) kamen vorbei! Und bogen dann nach rechts ab, für uns ging es links weiter.  Etwas enttäuschend war, dass ich die Wachenburg leider nicht gesehen habe, ich dachte nach der Streckenbeschreibung, wir würden direkt dran vorbei laufen.
Ups, nun ein ziemlicher Downhill? Ja, wo war denn die Burgruine Windeck? Ach so, erst runter und dann wieder steilnach oben. Einmal im Burghof umrunden, und dann kam der übelste Streckenabschnitt: vielleicht 70 Meter lang, Gefälle gefühlt 70 %, Trampelpfad, kein Halt für die Füße auf dem ausgewaschenen Boden. Der einzige, der dort nicht lang musste, war der Labrador - als ich gerade eben noch so aufrecht unten rauskam, trafen er und Herrchen dort ein. Die Streckenpostin sagte ihm, sein Hund würde das nicht schaffen, sie sollten umrunden und dann den schönen breiten Hochweg wieder runter laufen.
So, ab jetzt hieß es "gib ihm", laufenlassen im asphaltierten Downhill. Mein Zeitziel von 1:30 Stunden war in weiter Ferne, laut Laufuhr hatte ich bei km 10 schon 1:24 ... aber was soll´s? Hauptsache Laufspaß. Schnell noch einen Herrn überholt, Treppen runter, auf der anderen Seite wieder hoch im bewährten Salzburger-Trailruningfestival-Stiegen-Schritt, links herum und Endspurt in der Hauptstraße.

Da bog mein Frauchen ein, endlich! 

Ich stand bereit zum Aufspringen, zack, und Frauchen machte dieses Mal wirklich einen Endspurt um die letzte Kurve und hoch ins Ziel! Wie üblich ließ ich mir dann die Medaille umhängen, vom Sprecher wurde ich als "Maskottchen" (pah, Laufcoach!) nochmal erwähnt. 


Für die Zahlenfreunde: Laut Ergebnisliste 1:30, 52, laut der eigenen Uhr 1:30, 41, damit Zeitziel knapp verfehlt. Die schnellste Dame brauchte 1:04,02, die langsamste 2:10,11. Bei den Herren waren es 52,58 min bzw. 1:44,56, bei insgesamt 58 Herren und 46 Damen. Frauchen wurde 37. Dame, und 16. in ihrer AK Master.

Fazit: toller Lauf, der sich hoffentlich im Trailrunningkalender fest plazieren wird. Sehr schöne Strecke im Mittelgebirge Odenwald, viel Wald, was zu gucken mit den Aussichten und der Burg. Faires Preis-/Leistungsverhältmis mit 25 Euro für die Kurzstrecke.Ergänung: Frauchen hat es sogar in die Impressionen geschafft, Anstieg zur Burg.

Nach Frischmachen und Auschecken sind wir dann  noch zu den Stätten früherer Urlaube gefahren. Dazu aber demnächst mehr. 

Das einzige Manko: Frauchen und ich hatten ja am Freitag Geburtstag. Und wegen des bevorstehenden Rennens gab es keinen Kuchen, keinen Zucker, kein Festessen. Schade, schade, schade.

Bis bald, Euer Iwan

 





Dienstag, 26. Juli 2022

Geplatzte Waden beim WJ Run

 Hallo Leute,

wenn Frauchen mal ohne mich denkt und handelt, endet es immer übel. Immer. Nächstes Wochenende steht doch der Weinheim Trail, kurze Distanz, für sie an. Ordentlich Höhenmeter. Und, was macht man in der Woche vor einem solchen Rennen? Richtig. Tapern.

Jedenfalls normale Läufer, die auf ihren Coach hören. Nicht mein Frauchen. Die hat sich noch schnell für den WJ Run angemeldet. Und es mir versucht zu erklären, es sei quasi eine Pflicht, ihr Arbeitgeber sei Sponsor, das Startgeld ginge an einen guten Zweck, Rhabarber Rhabarber. 

Naja, der Schaden war angerichtet, sie hatte sich für den Halbmarathon angemeldet. Wie letztes Jahr auch virtuell ausgetragen, sie konnte laufen zwischen dem 23.7. und dem 31.7. Aber wie gesagt, 31.7. hat sie ja nun schon ein anderes Rennen. Ich habe dann nur geschaut, dass ich sie möglichst  mit viel zeitlichem Abstand zu dem 31. laufen lasse, damit sie wenigstens ein bißchen tapert. Sie wollte also am 24.7., dem Sonntag,laufen.

Race Day für sie. Dampfig. Schwül. Sonnig. Als Strecke hatte ich wie letztes Jahr breite Waldwege und kleine Pfade zwischen Nürnberg Ziegelstein, Buchenbühl und Kalchreuth ausgewählt. Zuerst war es auch noch schön schattig, die ersten 10, 12 km vergingen super, die Marschtabelle mit knapp unter 7 min/km hielt sie gut ein. Dann kam bei km 14 ein brachiales Stück - ca. 500 Meter pralle Sonne, aufgeheizt, leicht steigend. Das hat ihr anscheinend den Zahn gezogen - ab da gingen die Beinchen immer schwerer. Und bei km 15,5 sagten die Waden "nicht mit uns, wir streiken". Also zügig weitermarschiert und vor sich hingeschimpft. Fun fact: ihr Gehtempo ist immer noch zwischen 8:30 und 9:00 min/km! Aber das Zeitziel von einer Sub 2:30:00 war damit nicht mehr zu schaffen. Abwechselnd 1 km gehen, 1 km laufen ... so kam sie schließlich hier an. Und behauptete erstmal, ihre Waden wären explodiert. Ich habe gleich nachgeguckt: nein, von außen nix zu sehen!

Zeit: indiskutabel.


Jetzt warten wir auf den Ablauf der Zeitspanne, in der die Läufer den HM absolvieren können. Gewinnen wird sie den HM wohl nicht, es sind zwar nur 4 Starter angemeldet, aber mit der Zeit - vergiss es. Ihre AK wird sie aber wohl gewinnen, da ist sie die einzige Starterin. 

Abhaken. Absolviert. Nun tapern für nächsten Sonntag. 

Bis dahin, Euer Iwan


Montag, 11. Juli 2022

Neuer Titel, alte Strecke, gute Zeit: 5 km in Frankfurt

 Hallo Leute,

wer uns kennt, weiß, dass wir schon seit vielen Jahren beim WomensRun in Frankfurt starten. Frauchen mag ja nicht gern schnell laufen, deswegen melde ich sie da immer an, um wenigstens ein bißchen Tempohärte reinzukriegen. Außerdem ist es immer ein nettes Wochenende in Frankfurt bei Freundin und Patenkind, die Orga ist super, schönes Ambiente und gut gefülltes Startersackerl.

Nun gibt es ja leider die WomensRun-Serie nicht mehr. Umso erfreuter war ich zu sehen, dass unter dem Namen Frauenlauf Frankfurt das bisherige Orga-Team den Lauf erstmals seit 2019 wieder anbot. Uns flugs bei der Freundin eingeladen und angemeldet ... wobei ich ja sehr hoffte, endlich wieder eine vernünftige 5 km-Zeit aus Frauchen rauskitzeln zu können. War sie dort früher mehrfach unter 30 min gelaufen (z.B. Bericht 2019), so hatte sie nach ihrer Corona-Erkrankung echte Konditions- und Geschwindigkeitsprobleme. Als Bestes stand eine 32:30 Zeit bei einem virtuellen Lauf zu Buche.

Freitags (fast) staufrei dorthin gefahren, ich bezog unser Zimmer und vor allem ein weit obenliegendes Regal (ich sage nur "Katzen, zwei Stück, kratz- und spielbereit"!). Danach nettes Geschnatter mit Freundin und Patenkind, abends dann noch Treffen mit einer Tante – wir kommen ja ursprünglich aus Frankfurt. Samstag der Blick nach draußen und auf die Wettervorhersage: prima, heiter bis wolkig, leicht schwül, mittags 25 bis 27 Grad. Also perfekt für Frauchen. Die Freundin wollte wieder den Support machen, das Patenkind hat wegen gesundheitlicher Probleme seine Läuferkarriere an den Nagel hängen müssen ... also musste Frauchen unsere Farben vertreten. Apropos Farbe: statt magenta / brombeer gab es dieses Jahr ein wunderschönes zartgrünes Funktionsshirt von Asics. In dem dann rund 97 % der Läuferinnen starteten. Mit einer anderen Farbe - so wie Frauchen, die nichts Ungewaschenes an ihre Haut lässt - fällt man prima auf, ist gut im Pulk zu erkennen, aber wird vom offiziellen Lauf-Fotografen ignoriert.

Und apropos Pulk: wir kamen rund 90 min. vor Start an. Und wunderten uns, wie leer der Parkplatz am Waldstadion war. Sorry, Eintracht, aber bei so vielen Umbenennungen des Stadions und für mich als alten Frankfurter ist es einfacher, bei "Waldstadion" zu bleiben. Rübergedackelt zur Startunterlagenausgabe: auch keine Schlange, freundliche Helfer, Frauchen hatte schnell ihre Startnummer und ihr Shirt. Dann ging die Warterei los, denn die Sponsorenstände (Make up, Zöpfe flechten, Aloe Vera usw.) waren auch schnell abgelaufen. Dafür hat Frauchen eine neue Spitzenleistung im "nervösen-vor-dem-Startschuss-auf-die-Toilette-gehen" aufgestellt: sage und schreibe 4mal in 75 min!

Dann ging es zur Startaufstellung: in Bestzeiten waren es 3.000 Starterinnen über die 5 km. Jetzt: ein paar Hundert, hochgerechnet. Die Moderatorin hatte größte Mühe, Stimmung zu erzeugen. Und alle sollten aufrücken, sodass Frauchen auf einmal in der dritten Startreihe stand ... der Kurs war gegenüber den Vorjahren wieder leicht modifiziert, aber die einzelnen langen Geraden sind uns Mehrfachstartern ja bekannt. Vom Start erstmal leicht bergab, scharfe Linkskurve, leicht ansteigend weiter, später im Wald lange Geraden, rund ums Stadion, und km 5 war dann der umgekehrte erste km. Sonst war immer Hauen, Stechen, langsame Läuferinnen überholen, an Walkerinnen vorbei grätschen ... dieses Jahr: Frauchen wurde mehrfach überholt, konnte selbst nur eine Handvoll Läuferinnen einsammeln und lief meistens allein. Der erste km in erfreulichen 6:08 min, aber sie merkte schon, sie läuft am Anschlag. Aber ich bin anscheinend so furchteinflössend und sie hatte ordentlich Angst vor meiner Reaktion, denn sie nahm kein Tempo raus. Km 2, Zeit unter 6 min. Km 3, dito. Km 4, gefühlt kurz vor Umfallen, aber 23:45 - sah gut aus. Ich habe ihr erst hinterher ihr Laufvideo gezeigt, Donald Duck gekreuzt mit einem Rumpelfüssler, sage ich dazu nur, von wegen "leicht & locker" ...




Scharfe Rechtskurve und dann noch ein paar hundert Meter bis zum Ziel. Auf ihrer Uhr: 28:02. Blick hoch (jaja, die Gerade steigt leicht an) zur großen Zieluhr - die sprang gerade auf 29 um! Panik, weitergerannt, so gut es ging. Mein Dappes hatte halt mal wieder den Unterschied zwischen Brutto- und Nettozeit vergessen! Die Freundin und ich warteten direkt hinter der Ziellinie - mitten auf dem Weg, war ja nichts los. Und brüllten ganz laut. Das machte die Moderatorin aufmerksam, sie brüllte mit "Iwan wartet" und so kamen wir zu unserem ersten Zielinterview (ich hoffe, das klappt, erstes Video, dass ich einbinde ...):

Die Zeit: 29:38 min. Die beste und schnellste 5 km-Zeit seit 2019, und vor allem seit Corona. Ich bin halt doch ein guter Coach, hatte schon an mir gezweifelt ...

Damit ist Frauchen 31. von 128 Starterinnen mit Zeitmessung geworden, also im ersten Viertel. Sehr zufriedenstellend.

Uns haben nur die Veranstalter leid getan. Ein bestens organisierter Lauf, für das Startgeld von 34 Euro (Frühbucher hätten weniger gezahlt) hat es sehr viele Produktproben gegeben und das schöne Shirt:

Sie hätten mehr Starterinnen verdient gehabt. Man merkt, dass die (wahrscheinlich kostenlose) Promo durch die Runners World wie früher fehlte. Hoffentlich halten sie durch und es gibt den Frauenlauf 2023 wieder. Im Flyer sprachen sie schon davon, dass die Sponsoren recht zurückhaltend waren - nicht aufgeben, Aline und Julia, Projektleitung! Ich würde Frauchen jedenfalls sofort wieder anmelden, das wäre dann so langsam der 10. Start dort.

So, nun aber zurück zum ernsten Training. Ende Juli steht mit den Weinheim Trails die nächste Bewährungsprobe an.

Bis bald, Euer Iwan





Dienstag, 5. Juli 2022

Ein etwas verhagelter Bergurlaub

 Hallo Leute,

irgendwie ist es schon komisch: 9 Tage Alltag ziehen sich wie Kaugummi, 9 Tage Bergurlaub flutschen nur so vorbei. Nachdem wir nun schon so oft in Lenggries waren, schreibe ich mal ein bäriges Tagebuch für Euch:

1. Tag = Ankunft ca. 14:30 Uhr. Ein Gewitter zieht auf, nichts Besonderes. Wir begrüßen die Berge von unserem Panoramabalkon, Frauchen überlegt noch, ob sie den Begrüßungslauf (sind noch alle Strecken da?) riskieren soll. Ich rate ab. Richtiger Rat, denn kurz vor 15 Uhr geht die Welt unter. Tischtennisballgroße Hagelkörner treiben mich ins sichere Zimmer. Und Herrchen in die Verzweiflung, weil sein Auto dem Wetter ungeschützt ausgesetzt ist ...

Naja, es waren lauter kleine Beulen drin. Nicht schön, aber Hauptsache, Scheiben usw. waren heil geblieben.

2. Tag = erste Wanderung bei über 30 Grad.

 Danach geht Frauchen noch schnell auf der Hausrunde laufen. Mit Gegenverkehr, an eineer Schmalstelle kommen ihr die heimkehrenden Kühe entgegen ... und der Klügere gibt nach. In dem Fall sie, und lässt alle Kühe passieren. 5,5 km mit rund 200 Höhenmetern. 

3. Tag = schöner langer Lauf, 2:15 Stunden bei knapp 30 Grad, entlang der Isar mit Schleife Richtung Längental und perfekter Aussicht auf Brauneck und Benediktenwand. Danach Minigolf, erschwert durch sehr blutrünstige Bremsen. Jedenfalls schiebt Frauchen ihre krachende Niederlage auf diese Viecher ...

4. Tag = zweite Gipfelwanderung, aufs Seekar.

Über den Grasleitensteig. Hahaha. Vollkommenes Entsetzen bei Frauchen, denn mittendrin ist rund 1,5 km steilste Schotterpiste statt wie früher wurzeliger flowiger Waldpfad. Ätzend. Rückweg wegen Herrchens Knieproblemen nicht über Waldpfade, sondern "außenherum". Entspricht 9 km bei praller Sonne und großer Schwüle. Frauchen meint, die Laune wäre ziemlich quengelig gewesen, hehehe.
Abends erklärt sie sich dummerweise bereit, die 7 km von der außer halbliegenden Pension in den Ort zum Essenfassen zu fahren. Denn es sollte wieder ein Gewitter kommen. Das kommt auch. Tacktacktack. Wommwommwomm. Die Hagelkörner werden größer, Herrchen quietscht panisch auf dem Beifahrersitz. Frauchen lenkt das Auto zu diversen anderen Schutzsuchenden unter Bäume. Dieses Mal sind die Hagelkörner, ach was sage ich, Hagelbälle!, so groß wie Tennisbälle. So sehen sie nach 1 Stunde Auftauen aus:

Es zerschmettert viele Scheiben und Dachziegel sowie PV-Anlagen, unser Auto kriegt "nur" noch eine Riesendelle in der Motorhaube. Ich denke nur an die armen Viecher, die so einem Hagel ungeschützt im Wald oder auf der Weide ausgesetzt sind ...

5. Tag = Berglauf für Frauchen. Hoch nach Röhrlmoos, apshaltierte schmale Forststraße, sehr steiler Mittelteil. Hat sie letztes Jahr nicht laufend geschafft. Dieses Jahr doch wieder, yeah! Runter dann die Waldwege direkt nach Hohenwiesen, da braucht sie Trittsicherheit nach der Nässe des Vorabends. Ziemlich rutschige steinige Angelegenheit, aber sie kommt - zwar dreckig und nach ein paar wackligen Sekunden - ohne Sturz wieder bei mir an. Ich hätte sie gern mit einem Stück Rüblikuchen aus unserer Lieblingskonditorei belohnt, aber die hatte leider Betriebsferien. Und damit auf den Megaumsatz mit mir verfressenem Bären verzichtet ...

6. Tag = schwül, regenverhangen. Daher vormittags nur kurze Wanderung ins Schrombachtal, die dortigen Bremsen besuchen und Blut spenden. Nachmittags habe ich Frauchen dann auf einen Beinchen-Lockerungslauf an die Isar geschickt. Sie versteht wohl "lockerer Lauf". Den sie großzügig zu "zügig" ausgedehnt - neue PB auf dieser Runde. 

7. Tag = Prachtwetter. Also auf in die Eng, zur Alm mit den Murmeltieren hoch. Die machen sich allerdings schnell vom Acker, als nach meinen Menschen noch eine geführte Wandertruppe laut schnatternd zum "Murmeltier-Viewing" eintrifft. Müssen die halt nur das mitgebrachte Fell "viewen". Herrchen erfreut neue Scharen von Bremsen, Frauchen steigt weiter auf und geniesst die Ruhe der Berglandschaft:



Nach dem Abstieg geniesst sie dann noch ein Stück Sachertorte mit Sahne - ich war empört! So etwas ist doch Sache des Laufcoaches ... also schicke ich sie zur Strafe gleich mal auf die 7 km-Isarrunde. Nicht lustig bei 30 Grad, und vollem Bauch mit Torte ... aber sie hat es nicht anders verdient! (Übrigens, ich glaube ja fest daran, dass solche Trainingsläufe ihr helfen, bei Ultras mit der Nahrungsaufnahme perfekt zurecht zu kommen)

8. Tag = Totalausfall. Landregen, unterbrochen von Schauern, den ganzen Tag, bei molligen 12 bis 13 Grad. Kein Kuchen in Sicht. Also nur auf der Couch gelegen und gelesen.

9. Tag = keine Wolke am Himmel, sonnig und heiß. Prima für eine zügige Wanderung aufs Brauneck zum Abschluss. Herrchen tritt in eine Schlammpfütze und sinkt bis über den Knöchel ein, Frauchen trampelt in einen Kuhfladen - zwei Hans-guck-in-die-Luft unterwegs ... Herrchen fährt Seilbahn, um sein Knie zu schonen, Frauchen wetzt runter. Danach verspeisen wir einträchtig den Kuchen, den uns die nette Pensionswirtin immer hinstellt:


Zum Abschluss dann noch die Runde Bretonenbrücke, Isarbrücke, Höhenweg, Draxlhang, Bretonenbrücke gelaufen, so mag ich das. Und Frauchen prüft schon den Kalender, wann wir das nächste Mal in die Berge können! Jetzt geht es aber erstmal nächstes Wochenende nach Frankfurt, zum Frauenlauf.

Bis bald Euer Iwan

Dienstag, 21. Juni 2022

Erinnert Ihr Euch noch an diese ersten Male?

 Hallo Leute,

einmal ist immer das erste Mal. Das betrifft jeden Lebensbereich, also auch das Laufen. Frauchen hatte schon diese "ersten Male":

  • Letzter werden bei einem Wettkampf
    Zweimal war das schon, einmal beim Moritzberg-Lauf, einmal beim HM in Alcudía. Und ich muss sagen, bei dem HM war es toll. Wir wurden noch nie so gefeiert ... viel besser, als Vorletzte zu werden!

  • DNF
    Dieses unschöne Wort hatten wir genau einmal. Ein "Did not finish" 2008 beim Mallorca Halbmarathon. Nach knapp 11 km ging nichts mehr, platt, Luft raus. Frauchen hörte auf. Das ist ihr danach nie wieder passiert. Wenn sie startet, dann beißt sie sich durch bis zum Ziel, zur Not gehend oder humpelnd.
    Pro-Tipp von mir dazu: ich suche ihr nun immer Strecken aus, wo sie eben nicht mehrmals am Zielbereich vorbeikommt und so gar nicht in Versuchung gerät, auszusteigen.

  • Erster Zieldurchlauf
    Bei ihr war das 2002, beim JP Morgan Lauf in Frankfurt. Der hatte auch gleich einen Hallo-wach-Effekt, denn sie war viel langsamer als sie gedacht hätte auf den 5,6 km.

  • Erster Halbmarathon
    Der war 2004 in Oberstdorf - warum denn von kürzeren Strecken dann erstmal vorsichtig einsteigen, dachte sich Frauchen und startete unsere HM-Karriere mit dem Gebirgstälerlauf und gleich mal Höhenmetern.

  • Erstes Finish - ich
    Ich habe mein erstes Finish am Tegernsee, wo ich erstmals aufgesprungen bin und gemeinsam mit Frauchen gefinisht habe. Ist schon ein klasse Gefühl, wenn einem die Zuschauer anfeuern! Und manchmal, so wie am Achensee, werde ich auch vom Sprecher erwähnt!

  • Erster Marathon
    Der steht noch aus. Also ein Marathon als Marathon ... die Strecke hat sie schon absolviert, so ganz nebenbei, beim Karwendelmarsch 2017. Plus dann weitere 10 km.

  • Erster Ultra
    Zwei haben wir bisher, zweimal den Karwendelmarsch. 52 km durch einen herrliche Berglandschaft. Frauchen sagt jedesmal danach "nie mehr". Und liebäugelt nun doch mit einem dritten Start 2023.

  • RUI
    Sollte man nicht ausprobieren. Running under influence. Angeheitert laufen gehen. Ist Frauchen in Florida passiert - sie kamen zu früh am Hotel an, bekamen einen Cocktail spendiert, in ihrem war Alkohol, und da sie sonst  never ever was trinkt, hat der reingehauen. Sie hatte sehr wacklige Puddingbeine, meinte sie nach ihrem Trainingsläufchen auf Sanibel Island.

  • Erster Berglauf
    Das ist nun auch schon wieder 10 Jahre her. Der Aletschgletscher-Halbmarathon war es, mit Zielankunft oben am Bettmer Horn.Hier seht Ihr uns beim letzten Anstieg. Und ja, das ist Schnee Im Hochsommer!.



So, das war eine kleine Aufzählung unserer "ersten Male".  Welche sind Euch besonders im Gedächtnis geblieben? Bin gespannt.

Bis bald Euer Iwan

 

Montag, 13. Juni 2022

Im Wald, da ist was los

 Hallo Leute,

nach ihrer Erkältungsauszeit war Frauchen gestern das erste Mal wieder zu einem langen Lauf hier unterwegs. Im Nürnberger Reichswald. Dabei hat sie mal wieder festgestellt, wie schön es im hiesigen Wald ist.

Und wenn man mit offenen Augen durch die Gegend läuft (also keinen Schweiß und keine Mücken drin hat, meint sie wohl, hehehe), dann sieht man Libellen, hört an kleinen Tümpeln den zarten Schmelz des Forschgesangs, begegnet sogar einem Fuchs. Nur Rehe gab es leider nicht zu sehen, ebenso keine Wildschweine. Obwohl sie die - jedenfalls die vierbeinigen - auch nicht unbedingt sehen möchte. Zweibeinige mussten wohl schon einige unterwegs gewesen sein, und den Weg zum nächsten Abfalleimer oder nach Hause nicht mehr geschafft haben, wenn man sich so den Müll auf den Parkplätzen am Waldrand anschaue.

Ordentlich Anstiege und Downhills kann sie hier auch trainieren. Besonders liebt sie einen Forstweg, der über kanpp 1 km kontinuierlich ansteigt, und zum Schluss immer steiler und steiler wird ... Was sie dagegen nicht liebt, sind Radlfahrer, besonders gern mit E-Bike, die von hinten mit gefühlten 1,5 cm Abstand an ihr vorbeizischen.

Gestern, bei dem schönen Wetter, waren auch viele Hundebesitzer unterwegs. Kein einer der Vierbeiner scherte sich um Frauchen, die meisten guckten nur müde und schlappten weiter vor sich hin. Kein Wunder, bei anfangs 22, gegen Ende 27 Grad. Ich hätte ja gedacht, dass der ein oder andere Wuffl Frauchen anspringt und versucht, ihre Wasserflasche zu ergattern ... aber nein, alles gut.

Naja, nicht ganz. Denn inzwischen ist auch wieder Stechmückenzeit. Und so saftige Schenkel, und schmackhafte Oberarme, die kriegt man als gemeine mittelfränkische Stechmücke nicht so oft vor den Rüssel. Frauchen hat jedenfalls heute noch ordentlich was vom gestrigen Lauf!

Bis bald Euer Iwan