Freitag, 7. Juni 2024

Achensee - mal so, mal so

 Hallo Leute,

ich war jetzt im Mai zweimal am Achensee. Kulinarisch wie immer für mich ein Hochgenuss, ich versuche ja schon seit Jahren (vergeblich), Frauchen davon zu überzeugen, nur noch Tiroler Küche auf den Tisch zu bringen ...

Das erste Mal war ich mit Frauchen und Oma Mitte Mai dort. 1 Woche, bis auf einen Nachmittag war perfektes Wetter. Meist sonnig, nicht zu warm, nicht zu kalt. Oma wandert ja mit Rollator, Ihr erinnert Euch: drei Oberschenkelhalsbrüche, einen Lendenwirbelbruch, aber zäh wie sonst was. Frauchen ist dann immer ein Nervenwrack, einen Tag hat es Oma sogar auf die Pertisauer Rodelhütte hoch geschafft und über einen schönen Wanderweg nach Maurach wieder runter, 210 Höhenmeter. Und Frauchen bibbert, dass sie nicht hinfällt ... Durchschnittgeschwindigkeit rund 4 km im Flachen, das machte Frauchen dann natürlich auch sehr langsam für ihre nachmittäglichen Läufe. Ich habe sie aber auch ordentlich Höhenmeter schrubben lassen. Dafür habe ich ihr dann, gnädig wie ich bin, jeden zweiten Tag auch ein Stück Kuchen erlaubt. Hier ein paar Bilder (übrigens, weil ich gefragt wurde: der andere Bär ist mein Kumpel Trello, unsportlich, aber ebenfalls sehr an Süßspeisen und Alpenküche interessiert):







Einen Tag ist sie nicht gelaufen, sondern nachmittags dann schnell auf einen Berg (Zwölferkopf) hochgewandert, 600 Höhenmeter in 1:05 Stunde, denn das muss sie ja auch trainieren. Rundum jedenfalls ein gelungener Urlaub. Und sie hat sich sehr auf den nächsten Aufenthalt, Ende Mai gefreut. Anlass: Hochzeitstag, am nächsten Tag Kennenlerntag, und dann Wochenende.

Herrchen durfte deshalb dieses Mal mit uns hin, er wollte die Wandersaison starten. Tja. Was soll ich sagen. Es war genau 30 min nach unserer Ankunft noch trocken. Ab da goss es, nieselte, schüttete, regnete, gewitterte. Ich bin gar nicht raus. Frauchen war einmal auf dem Laufband im Hotel, und einmal eine kleinere bergauf-bergab-Laufrunde bei Dauerregen. Alles andere wäre lauftechnisch zu rutschig gewesen. Wandern waren sie auch. Diverse nasse Rehe gesehen. Mir aber keines mitgebracht, ich bin immer noch empört!

Und bei diesem Wetter, wo die Wolken quasi auflagen, wenn sie sich nicht gerade entluden, wollten sie auch nicht fotografieren. Ich habe also von diesen Tagen kein Bild für Euch.

Lustig war jedenfalls die Reaktion der Kellner - nämlich fast keine. "Ach, schon wieder da? Getränk wie immer? Gleiche Zimmernummer?" für die Getränkerechnung. Und ein großes Lob an die Rezeption im Hotel Bergland: sie hatten in Frauchens Auftrag einen sehr schönen Blumenstrauß organisiert, der Herrchen am Abendessentisch überraschte. Er hatte für Frauchen auch was: eine Donald-Duck-Euro-Münze. So viel zum Thema "wir schenken uns nichts zum Hochzeitstag"!

Bis bald Euer Iwan

Mittwoch, 8. Mai 2024

IATF24 - Training wird überbewertet

Hallo Leute,

ich hatte Frauchen ja hoffnungsfroh für ihren 5. Start beim Innsbruck Alpine Festival angemeldet. Böse Zungen und üble Nachrede behaupten, nur weil ich scharf auf Tiroler Leckereien sei ... das stimmt ja gar nicht! Aber wenn ich schon mal da bin, verspeise ich natürlich sehr gern einheimische Kost!

In den Monaten seit der Anmeldung hatte ich ein Deja Vu nach dem anderen:

  • Gemeldet für den Trail-"Halbmarathon", genannt K25, also wie immer statt von 21,1 von rund 25 km auszugehen. Und die Werte wechselten munter, sowohl was die Distanz als auch was die Höhenmeter betrifft. Zum Schluss standen da 25,7 km mit 800 Höhenmeter hoch und 1.200 runter. Die natürlich wieder ziemlich zu Beginn, und am Schluss. Übrigens, der Sprecher am Start war auch so verwirrt von diesen Zahlen, er nannte mal "26,4 km to go", mal "25 km sind zu bewältigen" ....
  • Das Wetter spielte verrückt, eine Woche vorher lag bis runter Schnee, und die Wettervorhersage prognostizierte Kälte und Dauerregen am Renntag.
  • Dachte ich, dass das Training 2023 schon suboptimal verlief, dann wurde ich dieses Jahr eines Besseren belehrt: längster langer Lauf 2 Stunden und 17 km. Keine Bergaufenthalte vorher, also keine Höhenluft gewöhnt.

Also beste Voraussetzungen, 2024 krachend zu scheitern. Frauchen überlegte sich sogar recht lange, ob sie überhaupt starten wolle. Ich redete ihr zu, dass sie (wenn es nicht regnet, wohlgemerkt) doch starten solle, und in Kranebitten bei der Hälfte der Strecke aussteigen könne. Dann würden Herrchen und ich sie dort einsammeln ... (wobei ich natürlich den sinistren Plan hatte, telefonisch nicht erreichbar zu sein, sodass sie halt dann weiterlaufen müsse, hehehe).

Also: Anreise Freitag durch sehr tiefhängende Wolken. Immer mal Regen. Stammhotel in Innsbruck wollte uns in ein Katzenzimmer stecken. Vollgejammert und angefleht sowie dezent deutlich darauf hingewiesen, dass wir jedes Jahr kämen, nun zum 5. Mal,  direkt buchen (nicht über eine Booking-Plattform, das wurde uns ja quasi als Grund für das Katzenzimmer unterstellt), und dann bekamen wir ein besseres, ruhigeres, mit Aussicht. Bei Abholung der Startunterlagen schon der erste Schock: sehr lange Schlangen. Ja, wieviel Starter sollten es denn dieses Jahr sein? Bisher war das doch immer recht überschaubar mit maximal ein paar Hundert je Distanz ... Das Startersackerl war auch recht mager gefüllt gegenüber früher, das schöne Shirt muss man dazu kaufen (ist aber wirklich superschön, die Wildlife-Serie):

Dann kam der Samstag. Wetterumschwung. Kaiserwetter: sonnig, mittags über 20 Grad. Also hier keine Ausrede mehr für Frauchen. 

Start sollte dieses Jahr in Mutters sein, der gebuchte Shuttlebus (die fuhren alle 15 min. und man musste sich vorher auf die Uhrzeit festlegen) sollte 9:50 Uhr fahren. Es wurde 10, es wurde 10 nach 10, kein Bus in Sicht, Auch der 10:05-Shuttle war nicht da, wir Läufer stapelten uns langsam am Einstiegspunkt. Endlich kamen zwei Busse, nochmal warten, weil sie wegen eines Falschparkers nicht um die Kurve kamen, dann einsteigen. Hurra, ich hatte den letzten Sitzplatz ergattert! Notklappsitz. Es wurden aber weiter Läufer reingestopft, bis es sich anfühlte wie Tokio oder London U-Bahn zur Rush Hour. Bei der Fahrt den Berg hoch sah man auch gleich, warum die Busse eine solche Verspätung hatten: Unmengen von entgegenkommenden oder die enge Straße zuparkenden Wagen. Naja, so hatten wir im Gegenatz zu früher keine so lange Wartezeit vor dem Start. Kurz die Aussicht auf die Nordkette  fotografieren, dann ging es schon in den Startbereich.




 Und das war der Hammer: 1.200 Starter. Ganz ehrlich, das ist zu viel. Hier muss eine Obergrenze her, das sagte der Organisator auch schon. Mit dem "Final Countdown" wurden wir losgeschickt, allerdings wegen der hohen Starterzahl erstmals in 3 Wellen. Effektiv ging es für mich also erst um 11:45 Uhr los. Steil die Straße von der Mutters Bergbahn-Talstation runter. Blöde Witze um mich herum "ist es noch weit?" "sind wir bald da?" Haha. Solche Typen hasse ich. Dann der erste Anstieg: ich ging und durfte mir gleich wieder dumme Kommentare anhören. Ab dem zweiten Anstieg gingen übrigens noch sehr viel mehr Läufer ... und einer von den "Angebern" (vorher rumgetönt: "naja, so 2,5 Stunden werde ich wohl brauchen") hatte später ein DNF da stehen. 

An der ersten Verengung auf einen Waldweg gab es dann prompt einen Stau und Gerangel - wie gesagt, zu viele Starter auf so einer Strecke. Im Auf und Ab ging es dann Richtung Birgitz, als Zuschauer immer mal wieder Schafe, einmal Kühe, einmal Strauße. Ups, was war das denn? Da hatte sich wohl einer einen Spaß erlaubt? Ein ca. 5 Meter hoher Stapel aus Baumstämmen lag kreuz und quer über den Weg. Nasse Baumstämme. Rutschige Baumstämme. Ich halte ja immer meine Wasserflasche in der Hand, also nur eine Hand zum Festhalten frei. Außenherum ging es 45 Grad matschig die Böschung ca. 10 Meter hoch, und auf der anderen Seite wieder runter. Kurzes Abwägen, was gefährlicher für die jetzt schon durch das Bergab-Rennen müden Beinchen wäre - und dann halt über die Stämme geklettert.

Den Weg ab Birgitz kannte ich ja nun schon. An der Verpflegungsstelle schnell ein paar Tomaten geschnappt und dem gerade vor Ort weilenden Organisator Alex Pittl auch einfach mal für dieses tolle Trail-Event gedankt. Dass er das seit 2016 realisiert mit seiner Mannschaft und mit viel Herzblut.

Den fiesen Waldpfad runter Richtung Völs, dann am Inn entlang. Und prompt wieder in die Fotopoint-Falle getappt. Gerade noch ausgekaut und schnell den Riegel mit der Hand verborgen:


 Ich will ja endlich mal vernünftig und rasant aussehende Fotos von mir! Müssig zu sagen, dass ich inzwischen schon einen größeren Teil der Strecke ging statt lief. Aber aufgegeben werden nur Briefe, also in Kranebitten wieder Tomaten gefasst, Wasser aufgefüllt und dann weiter. Holla, Abzweigung verpasst, ich war Richtung Zirler Berg unterwegs, wie mir eine nette Spaziergängerin mitteilte. Umgekehrt und die richtige Abzweigung genommen.

Ich weiß ja nicht, was psychisch mehr runterzieht: wenn man die Strecke nicht kennt und nicht weiß,wie lange es diesen vermaledeiten Anstieg noch hochgeht, oder man genau weiß, wie lange es diesen vermaledeiten Anstieg noch hochgeht! Und wie letztes Jahr auch wieder sengende Sonne, kein Schatten. Oben angekommen (250 Höhenmeter, die sich wie 1.000 anfühlen) aus meiner kleinen Reißverschlusstasche oben am Trailrucksack, in der Personalausweis, DAV-Ausweis und Krankenversicherungskarte steckten, die Salztablette rausgenestelt. Dabei noch gedacht "aufpassen, dass nichts rausfällt". Tja. (Spoiler: beim Auspacken im Hotel war der Perso weg. Rennleitung angerufen, Infopoint aufgesucht. Nichts abgegeben. Nochmal mit dem Auto nach Kranebitten gefahren. Und nochmal rund 150 Höhenmeter bis zu der Stelle, die man natürlich nicht mit dem Auto erreichen konnte, hochgestiegen. Kein Perso. Am Montag Abend zuhause nochmal die anderen Karten geprüft. Da war er ja! Durchs Schwitzen so fest und deckungsgleich mit dem DAV-Ausweis verschmolzen, dass man ihn vorher weder bemerkte noch er abtrennbar war. Ich schwankte zwischen Erleichterung und "was bin ich eigentlich für ein blindes Huhn"! Die Beinchen fanden jedenfalls das nochmal da hochsteigen gar nicht witzig,)



 Ab dieser Stelle dann relativ ereignis- und auch gewitterlos (im Gegensatz zu 2023) Richtung Höttinger Bild, die Beine jaulten, ich machte ihnen Mut. Strecke sei ja mehr oder weniger eben. Dumm nur, dass dieses Jahr noch eine Schikane vor der Verpflegungsstation Höttinger Bild eingebaut war: steil einen Trmapelpfad hoch, und dann noch steiler, quasi freier Fall, wieder runter. Keine lange Strecke, vielleicht 200 Meter, aber die tun weh! Vor allem mit der Angst, dass es einen hinhaut. Insgesamt habe ich 3 Verletzte im Verlauf der Strecke gesehen, die medizinisch versorgt wurden. 

Jetzt hieß es gemütlich anhalten, Wasserflasche korrekt (!) entsorgen, Geheimwaffe Cola light-Flasche herausholen, Rucksack umpacken. Und dann wieder los. Neuer Fotopoint am einem munteren Gebirgsbach mit pittoreker Brücke. Und ebenso pittoreskem Läufer, der unbedingt minutenlang Selfies dort machen wollte - mich winkte er freundlich vorbei, aber dass er mein Bild "versaute" - das kam ihm wohl nicht in den Sinn:


Ab da ging es dann mehr oder weniger abwärts, den üblichen Beine mordenden Weg an Hungerburg vorbei runter, vorbei am Alpenzoo und hinab zum Inn. Jedes Jahr gefürchtet, dieses Jahr  icht ganz so schlimm empfunden - wahrscheinlich, weil dieses Jahr meine Beine schon lange vorher nur noch wehgetan haben. Ich war jedenfalls erstaunt, wie verhältnismäßig gut ich dort runterkam, und auch dann noch an der Europa-Allee tatsächlich so etwas Ähnliches wie einen Zielspurt hinlegen konnte.
 

Wir waren auch total baff, dass Frauchen viel früher als avisiert auftauchte! Sie hatte 4:30 als Zielzeit im Blick, nun war sie über 10 min früher da! Natürlich hatte Herrchen mich dann noch nicht parat, und das mit dem Fotografieren müssen wir wohl auch noch mal üben ... Frauchen war ziemlich unwirsch, ihren "Zielspurt" (hahaha, Zieleinhoppeln wäre wohl die korrektere Bezeichnung) unterbrechen zu müssen und abzubremsen, bis Herrchen mich aus seinem Rucksack nestelte. Dann konnte ich endlich aufspringen und finishen:

Ich liebe es, wie mir die Zuschauer auf den letzten Metern zujubeln. Die wissen ja nicht, dass ich nicht die ganze Strecke mitgelaufen bin ...

Für die Zahlenfreaks: 4:16:23,8 und damit 439. von 471 Damen. Und noch 17 Männer hinter sich gelassen. 35. Dame in ihrer Altersklasse, die bei den Jungspunden ab 50 Jahren beginnt. Mein Maßstab ist ja immer, ob die schnellste Dame mehr als 50 % von Frauchens Zeit gebraucht hat - da war dieses Mal Frauchen langsamer, die Siegerin brauchte unglaubliche 2:01:04,41! Sagen wir mal so: für das sehr wenige Training und das Rumtrödeln auf der Strecke war es ein super Ergebnis, normalerweise hätte ich aber ein Zeit unter 4 Stunden erwartet!

Abends stärkten wir uns noch mit Tiroler Tris und Sachertorte:


Über den Mega-Muskelkater breite ich jetzt mal den Mantel des Schweigens ...

Wir hoffen, dass der Veranstalter seine Ankündigung wahrmacht und Starterobergrenzen einführt. Ansonsten ist das IATF immer einen Start wert! Schade nur, dass wir meine Bluesky-Bekannten Sebi (110 km) und Micha (85 km) nicht persönlich getroffen haben. Megastarke Leistung von beiden!

Bis  bald Euer Iwan








Dienstag, 9. April 2024

Kompressionsstrümpfe für Läufer - und Bären?

Hallo Leute,

ich komme mir veräppelt vor. Verar*****. Nicht ernst genommen. 

Ich habe eine kleine Verletzung an der rechten Hintertatze. Gut, wenn man ganz genau hinguckt, auch eine wirklich minimal kleine auch an der linken. Aber bestimmt nichts, was eine Operation erfordern würde! Außerdem gehe ich nie never niemals nicht wieder in dieses Krankenhaus, wo ich 2028 schon einmal war. Da habe ich ja heute noch Alpträume! Das habe ich Frauchen sehr dezidiert mitgeteilt.

Ihre Antwort war: gut, dann bleibst du eben zuhause, Iwan. Bewegst dich nicht mehr vom Regal. Naja, das wollte ich nun auch nicht. Ob es denn keine anderen Möglichkeiten gäbe? Da kam sie mit einer Idee an: Hunde hätten doch im Winter so Pfotenschoner an. Im ersten Moment war ich vor Entsetzen starr. Ja, bin ich denn ein Hund? Andererseits, wenn bär so die Alternativen betrachtet … also habe ich mal ganz vorsichtig gesagt, ich schaue mir die Dinger an. Erster Versuch mit richtigen Hundeschuhen; viel zu starr, viel zu teuer. Das erste Argument sehe ich ein, das zweite nicht. Mal ganz ehrlich: für mich dürfte Frauchen nichts zu teuer sein!

Weiter geschaut, und so eine Art Söckchen gefunden, für Katzen und Hunde. Mein dezenter Hinweis „da steht nicht „Bär““ wurde genauso dezent überhört. Und die Teile bestellt. Nun seht selbst:

Würdet Ihr Euch mit so etwas nach draußen trauen? Seht Ihr? Nur ich soll … bin gedemütigt. Ich mache mich ja lächerlich. Frauchen will mir nun einreden, das seien Kompressionsstrümpfe für Läufer. Und dass nicht nur Läufer, sondern auch Laufcoaches Kompressionsstrümpfe tragen würden. Ich wäre fast drauf reingefallen, bis mir auffiel, dass Frauchen aka mein Coachingobjekt noch nie Kompressionsstrümpfe anhatte ... 

Jetzt habe ich die Wahl: rausgehen mit diesen albernen Socken an, oder drinnen bleiben. Aber ich will ja weiter mitfinishen, demnächst wieder beim Innsbruck Alpine Trail Festival! Na gut, dann halte ich es halt mit der Devise "einen schönen Bären kann nichts entstellen". Aber ich besorge mir selbst neue Socken, gucke mal in der Kleinkindabteilung - solche affigen "Hunde- und Katzensocken" ziehe ichnicht an. Basta....

Bis dahin, Euer Iwan

 

Mittwoch, 27. März 2024

Und noch einmal Mallorca

 Hallo Leute,

Frauchen war mit Oma und Fozzie nochmal für 5 Tage auf Mallorca. Mehr geht nicht, weil Oma ja nach 3 Oberschenkelhalsbrüchen und einem Lendenwirbelbruch nicht mehr so gut wandern kann. Mit eisernem Willen schafft sie noch so rund 7 km am Tag - nicht mitgerechnet ihre vielen Gänge zum sehr leckeren Hotelbuffet, hehehe. Das war bestimmt nochmal 1 km! Aber Hauptsache, sie hat Spaß und Freude daran, und bleibt uns noch lange erhalten.

Ansonsten waren die Flüge pünktlich, das Wetter wieder bombastisch, nur die Insel doch schon voller als 5 Wochen vorher. Frauchen rennt wie ein Uhrwerk: Strecke für längeren Lauf mit vielen Höhenmetern - auf 14 Sekunden die gleiche Zeit wie im Februar.

Hier ein paar Impressionen:





Bis bald, Euer Iwan

Dienstag, 5. März 2024

Ein Plädoyer für die Babyboomer

 Hallo Leute,

ja, auch ich zähle mich zu den Babyboomern. Genau wie mein Frauchen. Früher waren wir das Rückgrat der Wirtschaft, haben eifrig in die Rentenkasse eingezahlt, unsere Schaffenskraft (und last but not least unsere Kaufkraft) wurde gerühmt.

Und nun? Boomer ist fast zum Schimpfwort verkommen. Wir trauen uns ja kaum noch was zu sagen. Auch unsere Haltung, unsere Meinung, unsere Werte werden abgetan als "alter weißer Mann" - selbst wenn eine Frau redet. Nur wenn es ums Weiterarbeiten geht, damit auch schön die Rente nach Umlagesystem für die Jüngeren gesichert ist ... dann sind wir auf einmal beliebt. Bzw. werden dafür kritisiert, dass wir Babyboomer halt das Angebot der "Rente mit 63" gern in Anspruch nehmen. Statt gefälligst mindestens bis 67 zu arbeiten!

Dafür will ich mal eine Lanze brechen. Überlegt doch mal bitte, wie unsere Arbeitswelt aussah. Frauchen hat ihre Diplomarbeit auf einer elektrischen Schreibmaschine getippt. Und das war schon fortschrittlich! Dann kamen die PCs in die Büros. Beim ersten Arbeitgeber gab es einen PC für 12 Angestellte. Und nur Frauchen und ihr Chef trauten sich ran, und benutzen ihn eifrig. Alles wurde aber schön ausgedruckt und dann per Post oder Fax versandt. Dann hieß es warten, mehrere Tage meist, auf eine Antwort.

Heute dagegen - Multichannel. Mail, Social Media, WhatsApp, und bitte schön gleich antworten. Kollege Chat GPT erstellt Texte und generiert Ideen. Grafiken, Videos, Bilder - alle blitzschnell erstellt. Und statt schöner zweitägiger Geschäftsreisen, bei denen man quasi nur per Telefon erreichbar war, und weg vom Arbeitspatz, kommt jetzt der Arbeitsplatz mit. Oder es gibt sowieso nur den Videocall. (Frauchen ist sehr dankbar, dass sie Anfang der 2000er in einer internationalen Arbeitsgruppe war, die mal in Wien, Prag, Bratislava oder Salzburg tagte. Wäre heute undenkbar.)

Und das alles haben die Babyboomer mitgemacht. Die größte Disruption, die es jemals in der Arbeitswelt gab. Dagegen war die Einführung von Maschinen im 19. Jahrhundert und Fließbändern im 20. Jahrhundert ein Klacks.

Als Argument für die längere Lebens-Arbeitszeit kommt ja oft "körperliche Arbeit, ja, verstehe ich, die sollten früher gehen dürfen". Die anderen hätten ja "nur" Bürotätigkeiten gehabt. Aber die fortwährende Anpassung, die Umstellung - wer hat die genauso mitgemacht? Jawoll, die Babyboomer. Und so etwas ermüdet einfach, und laugt aus. Mal ganz abgesehen davon, dass diese Generation gelernt hat "schaffe, schaffe, Leistung bringen, Karriere machen". Überstunden sind selbstverständlich. 

Auch unsere Erfahrung wird gern positiv herangezogen, wenn es darum geht, ältere Arbeitnehmer zum Weiterarbeiten zu bewegen. Honig ums Maul halt. Ansonsten sind wir nicht "woke" genug. Gendern nicht. Jedenfalls nicht mit Sternchen. Altes Eisen halt. Haben die Klimakrise allein zu verantworten.

Leute, dieser Babyboomer-Bär hat davon gestrichen die Nase voll. Ich will weder Honig ums Maul geschmiert kriegen (obwohl, wenn ich es mir so recht überlege, ein, zwei Gläser wären schon ganz nett ...), noch aufs Abstellgleis geschoben werden. Und wir haben uns ins nunmehr rund 35 Jahren hartem Berufsleben, in dem wir sehr viel in die Rentenkasse eingezahlt haben, durchaus verdient, dass das auch  mal gewürdigt wird. Und Babyboomer jetzt nicht auch noch gedisst werden dafür, dass sie in den wohlverdienten Ruhestand wollen. 

So, das musste mal von meiner Bärenseele.

Bis bald, Euer Iwan

Mittwoch, 14. Februar 2024

Mallorca: es (genauer: sie) läuft wieder!

 Hallo Leute,

ich hatte ja schon etwas von Frauchens gesundheitlichen Problemen berichtet. Was zur Folge hatte, dass sie seit November mal mehr, mal weniger trainierte, Anfang Januar dann für 2 Wochen ganz aussetzte. Kondition adieu, dito war die Lauflust Zero. Dann gab der Onkel Doktor ein "Go", und sie konnte langsam wieder anfangen. Bei dem grauen nasskalten Wetter hier musste ich sie aber regelrecht rauszwingen, Spaß hatte sie keinen. 

Aber dann kam das, wovon ich wusste, es bringt sie wieder auf Spur. 9 Tage Mallorca, Anfang Februar. Das Wetter kann super sein, es kann warm sein, es kann bibberkalt sein, es kann mega ungemütlich mit viel Regen und Wind sein. Hatten wir alles schon. Ich habe dieses Jahr aufs Mitreisen verzichtet und meinen Assistenztrainer 2. Klasse, Fozzie, mitfliegen lassen. 

Da sage ich doch gleich mal Danke dafür, Iwan! Die ersten 5 Tage hatten wir zwar kühle Nächte, aber tagsüber schon fast frühsommerliche Temperaturen! Nur ein Tag mit Regen, die letzten 3 Tage dann wieder Sonner und etwas kühler, aber zu Laufen in kurz hat es immer noch gereicht. Damit war dann auch der Grundstein für Frauchens Wiederfinden des Laufspaßes gelegt. Aber ich fange lieber mit der Anreise an ...

Flug wie so oft leicht verspätet. Lange auf Koffer gewartet. Am Mietwagenschalter nur wenig Andrang, Autoschlüssel geholt, beim Weggehen gesehen: jetzt standen mindestens 10 Personen an – Glück gehabt! Ins Parkhaus rübergetrottet, den Koffer zu dem gemieteten Kleinwagen gezerrt und in den Kofferraum gewuchtet. Eingestiegen. Wie immer Sitz nach vorne gezogen (Frauchen ist nicht allzu groß), dann Kupplung getreten, um einmal die Gangschaltung durchzuprobieren. Schock: keine Kupplung da! Frauchen guckte doch tatsächlich erst einmal runter in den Fußraum, sah nur zwei Pedale – dann erst der Blick zur Gangschaltung. Bzw. zur nicht vorhandenen Gangschaltung. War nämlich ein Automatik. Nicht bestellt, nicht gewünscht. Frauchen fährt seit 42 (!) Jahren Gangschaltung. Jetzt die Wahl: entweder den Koffer wieder rauswuchten, zurück ins Gebäude zum Schalter, an der Schlange anstellen und Auto tauschen (geschätzte Zeit: mindestens 30 min) oder ... losfahren. Also erstmal gegoogelt, wie man so einen Automatik überhaupt startet und wofür "D, N, R, P" stehen. Ich konnte auch nicht helfen, ich sitze ja immer nur oben hinter Frontscheibe und achte auf den Verkehr. Ging aber die ganzen 9 Tage gut und unfallfrei.

Hotel in Port d´Alcudia kennen wir ja beide sehr gut. Also rauf aufs Zimmer, auspacken, kurz was essen und dann umziehen zum ersten Lauf. Ein unbeschreibliches Gefühl: in Sonne. Kurz / kurz. Dass die Pulsuhr genau in diesem Moment mal wieder streikte und ein Update notwendig war - geschenkt! Frauchen schwebte fast auf die blaue Strandpromenade zu den ersten von vielen Laufkilometern. 

 

Jeden Tag stand eine ordentliche Wanderung an, danach laufen. Und dabei sukzessive steigern und Kondition aufbauen, erst nur flach wandern, kürzer laufen, dann auch Berge hoch, und kupierte Strecken laufen. Einmal hat Frauchen mich mitgenommen, in der Serra de Levant ging es zu einem Gipfel. Insgesamt 7 Leute auf der 5-stündigen Wanderung gesehen, darunter ein Läufer. 


Seht Ihr mich auf diesem Foto? Und hier noch ein paar Impressionen:
 



Und wir hatten diverse tierische Begegnungen: neugierige wilde (!) Ziegen, Esel, die anscheinend auf den Bus warteten, Schafe ...




Ein Fast-Ruhetag war der Regentag, da ist sie morgens nur ihre geliebte 12-km-Haustrecke mit ziemlich Höhenmetern gelaufen - endlich wieder! 

Iwan hatte uns auch ein Buch mitgegeben, "Runhundred" über die Teilnahme am Western State. Daraus haben wir das Trainingskonzept "Rolling hills" übernommen, und letzten Samstag gleich mal ausprobiert. Machte Frauchen richtig Spaß, das Hoch und Runter, sie hat gar nicht gemerkt, dass sie das erste Mal seit Mitte November wieder knapp 2 Stunden unterwegs war!

Fozzie, bevor Du jetzt anfängst, vom Hotelbüffet zu schwärmen, übernehme ich lieber wieder. Erkenntnis: es läuft wieder. Genauer gesagt, Frauchen läuft wieder! Gebt ihr einfach Sonne und Wärme, dann klappt das. Und da Fozzie so gut gearbeitet hat, hebe ich hiermit seine jahrelange und damals wohlverdiente Degradierung auf. Er ist jetzt offiziell wieder Assistenztrainer.

Hier noch ein zwei Videos an der Bucht von Alcudia, um Euch allen den Mund wässrig zu machen:


 

Bis bald, Euer Iwan


 

 


Donnerstag, 1. Februar 2024

Ich babbel hessisch

 Hallo Leute,

so als kosmopolitischer Bär, weitgereist, viel herumgekommen, sollte ich doch wohl astreines Hochdeutsch sprechen. Tue ich ja auch, meistens jedenfalls.

Aber ein paar Ausdrücke lassen meine Umgebung doch erstaunt bis verständnislos gucken. Gut, Thema "Kreppel" taucht ja jedes Jahr neu auf. Andere sagen dazu "Krapfen" oder "Berliner", die Berliner selbst gar "Berliner Pfannkuchen": Pfannkuchen sind flach, das weiß doch schon der kleinste Bär!

Aber zurück zum Hessischen (wobei ich ja vor unserem ersten Umzug dachte, das heißt überall so):

  • Kerschelbauer (Müllabfuhr)
  • Gelärch (rumliegendes Zeugs, das irgendwie halt nervt)
  • Dudd (Tüte)
  • Kneibchen (kleines scharfes Küchenmesser)
  • Kolter (Wolldecke)
  • schnäubisch (wählerisch) 
  • Geschnäusel (Abfall, Unverzehrbares vorwiegend an Fleischstücken)
  • Hüppel (Anhebung, kann von kleinem Hügel bis zur Zugspitze alles umfassen)

Und, kanntet Ihr diese Begriffe?

Nach dem kleinen Umweg über Hamburg sind wir ja nun im Fränkischen gelandet. Die reden hier auch komisch. Nur ein Beispiel: wenn hier ein Franke von seinem "Fuß" redet, kann alles gemeint sein. Fuß, Wade, Oberschenkel, bis hoch zur Hüfte.

So, Ende Sprachkurs. Ich suche jetzt für Frauchen noch ein paar schöne neue Lauf- und Wanderrouten raus. Sie fliegt nämlich Samstag nach Mallorca. Und ich habe freiwillig zugunsten von Fozzie verzichtet, selbstlos wie ich bin. Der hockt nämlich den ganzen Winter unten im eisikalten Auto, teils eingeschneit. Während ich auf meinem warmen Regal throne. Da gönne ich ihm doch ein paar Tage Frühling.

Bis bald, Euer Iwan