Donnerstag, 29. Dezember 2016

(K)ein Jahresrückblick

Hallo Leute,

eigentlich wäre an dieser Stelle mein bewährter, sarkastischer Jahresrückblick fällig. Aber ich muss Euch sagen - mir ist die Lust darauf vergangen. Ich bin eigentlich ein unpolitischer Bär, dieser Blog soll allein den netten, schönen Dingen des Lebens gewidmet sein und Euch möglichst unterhalten.
Aber was zuviel ist, ist zuviel. Deswegen muss ich mal meinem Herzen Luft machen.
Dieses Jahr hat mich oft fassungslos gemacht. Wie viel Wut, wie viel Hass, wie viel Verachtung für andere Lebewesen, Mensch und Tier, inzwischen existiert - das hätte ich niemals für möglich gehalten. Nur weil jemand eine andere Religion, eine andere Nationalität hat, eine andere Hautfarbe, einfach irgendetwas, was einem vielleicht nicht gefällt - dann geht man halt her und schlägt ihn, zündet ihn an, fährt über ihn hinweg? Das sind die schlimmsten Auswüchse. Aber auch vor Tieren macht es nicht halt - derzeit kursiert im Internet ein Video, wie Männer einen Braunbären mit einem PS-starken Auto überfahren und zerquetschen.

Den Anschlag von Berlin hatten wir gar nicht mehr an dem Abend mitgekriegt. Erst am Dienstag früh. Und dann fing die Sorge um 2 Freundinnen an, eine Berlinerin, von der wir wussten, sie wollte Montag Abend auf einen Weihnachtsmarkt. Und eine Frankfurter Freundin, die auf Besuch in Berlin war und auch gern Weihnachtsmärkte besuchte. Große Erleicherung, als die Entwarnungsmails eintrafen. Aber ehrlich - was soll das? Kann man nicht in friedlicher Koexistenz leben, und akzeptieren, dass andere anders leben? Eine der beiden Freundinnen hat geschrieben, sie ist am Dienstag dann mit Angst, aber trotzdem auf einen anderen Weihnachtsmarkt gegangen. Denn genau dieses Ziel, dass wir auf unsere Art zu leben verzichten, sollte der Attentäter nicht erreichen.

Vom Großen ins Kleine: Frauchen liest im Internet (schon aus beruflichen Gründen) sehr viel, querbeet über viele Sites. Und ist inzwischen immer betroffener über den Ton oder die Meinung in den Kommentaren. Menschenverachtend ist da noch harmlos. Ab und zu bin auch ich betroffen, hier in der Kommentarfunktion meines Blogs. Ich lasse sie bewusst auf "freischalten", denn was da manchmal drinsteht - pfui, das will ich hier nicht lesen. Keine Sekunde lang.

Man sollte sich immer daran erinnern: wir haben großes Glück, hier geboren zu sein, in dieser Zeit. Bisher ohne Krieg (hoffentlich bleibt das auch so). Ohne Hunger leiden zu müssen. Im Prinzip alles zu haben oder machen zu können. Ich versuche, alle anderen so zu behandeln, wie auch ich behandelt werden möchte. Respektiert. Frauchen steht im Startblock, wenn sie im Ausland startet, neben vielen Nationalitäten, Hautfarben, Glaubensrichtungen. Und ist auch nur eine von vielen. Eben auch eine Fremde. Selbst in Österreich, da können wir noch so viel Kaiserschmarrn futtern ....

Deswegen kein Rückblick auf 2016 - ich hoffe auf ein besseres 2017. Und kann nur an Euch alle appellieren: bringt anderen Spaß und Freude. Ich werde es weiter versuchen, ab meinem nächsten Post,versprochen.

Ich wünsche Euch allen einen guten Rutsch, und ein gesundes, glückliches, friedvolles Jahr 2017.
Bis bald Euer Iwan

Sonntag, 18. Dezember 2016

Das Laufjahr 2016

Hallo Leute,

heute in 2 Wochen haben wir schon 2017. Zeit also für meine bewährten Jahresrückblicke ... fangen wir an mit dem Rückblick auf das Laufjahr 2016. Kurze Zusammenfassung: ich bin ein super Coach! (He, was soll das, dazwischenreden und meinen, dass ich ein zu großes Ego hätte? Was stimmt, stimmt doch! Na gut, Frauchen hatte auch ihren Anteil ....)

Januar: 
Zum dritten Mal stand ein Halbmarathon in Florida auf der Agenda. Dieses Jahr hatten wir uns für den Miami HM entschieden. Der größte Anreiz für Frauchen dabei ist - Laufen in der Wärme. Naja, hätte sie auch hier bleiben können. 8 Grad und ein eisiger Wind machten es nicht so ganz einfach, die Überreste eines Wintersturms hatten Miami Ende Januar noch fest im Griff. Lag es daran, oder dass Frauchen sich das erste Mal einem Pacemaker anschloss? Jedenfalls kam eine neue PB für den Halbmarathon heraus! Ich sage ja immer noch, liegt nur am Coach ...

Februar / März:
Nur Trainingsläufe. Nichts Besonderes, ich habe aber einige Trailstrecken angesetzt, denn 2016 wollten wir doch mehr Trailläufe machen.

April:
Der erste davon stand an - ich hatte Frauchen für den "Rookie"-Lauf beim Innsbruck Alpine Trail Festival angemeldet. In der Woche davor schneite es, das Einlaufen fand bei rund Null Grad statt. Dafür dann aber am Renntag knappe 16 km bei herrlichem Wetter, Blick auf die schneebedeckten Gipfel rund um Innsbruck und mit einem haarsträubenden (oder sagt man da oberschenkelzerfetzenden?) Downhill. 400 Höhenmeter im quasi freien Fall, das hat Frauchen doch noch einige Tage sehr gespürt. Aber sie kam gut ins Ziel und hatte "Blut geleckt".

Mai:
Ein ganz spezieller Wettkampf, nämlich ein virtueller 5 km-Lauf. Laufen für die Manatees - jeder misst selbst seine Zeit. Und die Startgebühr geht alles komplett an eine Organisation in Florida, die sich für den Schutz der Seekühe einsetzt.

Juni:
Am 3. Juni hatte Frauchen Premiere - den ersten Lauf, den sie mit veranstaltet hat. Den Tiergartenlauf in Nürnberg - so hatte sie über ein Jahr das Vergnügen, mal aus der Organisator-Perspektive zu sehen, was so alles an einer Laufveranstaltung dran hängt. Und kurz nach der überaus erfolgreichen Premiere begannen die Vorbereitungen für den nächsten Tiergartenlauf, 2017. Und dass sie fast alles richtig gemacht haben, zeigt die Anmeldezeit - die Hauptläufe für Juni 2017 waren innerhalb von 7 Stunden (!) ausverkauft! 
Ansonsten hatten wir wieder unsere Trainingswoche in Lenggries, mit vielen schönen langen Läufen ... und dadurch viel Platz für Kaiserschmarrn ....

Juli:
Viel Traning .... denn Anfang August sollte es wieder in die Berge gehen.

August:
Der Pitz Alpine stand auf dem Programm. Zwar wieder "nur" die Einsteigerstrecke mit rund 16 km, aber immerhin 850 Höhenmetern. Hat viel Spaß gemacht, in der Seilbahn über alle Läufer hinweg hoch zu gondeln und Frauchen oben für den Fotostopp abzufangen. Und ich habe noch nie erlebt, dass Frauchen mitsamt ihren Trailschuhen unter die Dusche geht ... hier war es aber nötig. Und weil das Wetter und damit der Ausblick zu wünschen übrig ließ, habe ich uns gleich mal für 2017 angemeldet - dann aber für die 26 km-Strecke.

Den absoluten Kontrast hatten wir dann beim Womens Run in Frankfurt. Wettertechnisch nicht, es war auch trüb und regnete teilweise. Nein, die Distanz (5 km), die Höhenmeter (0,50) und das Teilnehmerfeld (2.500 Frauen). Aber für Frauchen sprang eine neue PB über 5 km heraus - was will ein Bären-Super-Coach mehr?


September:
Das Saison-Highlight stand an - der Achenseelauf. Bestens trainiert, und dann kriegt Frauchen eine Erkältung. Es lief trotzdem ganz gut, ich klatschte in Achenkirch (gefühlte Hälfte der Distanz) ab und war beim Blick auf die Uhr begeistert - das könnte endlich mal eine Zeit unter 2:45 Stunden werden. Kurz vor dem Ziel gewartet und gewartet ... die Sekunden tickten ... da war Frauchen endlich, ich habe mit ihr gefinisht. Eine neue Streckenbestzeit für uns, aber leider doch wieder die "5" davor, 2:50 Stunden ... d.h. wir müssen 2018 wieder ran. 2017 haben wir was ganz anderes vor, nämlich den Karwendelmarsch. Und der liegt mit seinen 52 km eine Woche vor dem Achenseelauf, beides kriegen wir nicht hin.
Eine Woche später waren wir schon wieder in den Bergen -  beim Isarlauf über 10 km von Lenggries nach Bad Tölz. Frauchen wollte ihre 10 km-Bestzeit angreifen. Und wieder war es superwarm, also genau das Richtige. Und was soll ich sagen - geschafft!

Oktober:
Nach einem ausführlichen Urlaub auf Mallorca, bei dem Herrchen und ich immer unterschiedlicher Meinung sind, was Frauchen machen soll (Herrchen: am Strand liegen und chillen, oder maximal wandern; ich: gefälligst Laufkilometer sammeln und möglichst viele Treppen steigen), stand dann wieder das Salzburg Trailrunning Festival an. Ich bin da zwar immer etwas abgelenkt, weil ich dort Pauline Laufbär und ihre Menschen treffe, aber zum Anfeuern für Frauchen hat es gereicht. Und nach dem ersten Kilometer ist sie mir auch immer sehr denkbar, dass ich sie auf Mallorca stockwerksweise Treppen steigen lasse ... da geht es nämlich von der Altstadt über die Holzmeisterstiege viele Stufen nach oben. Tja, und auch hier zeigte mein strenges Trainingsregiment Wirkung: Frauchen verbesserte sich auf den 7,x km um knapp 5 min. gegenüber 2015!

November:
Und noch ein Highlight, im wahrsten Sinne des Wortes. Denn es ging zum zweiten Mal nach Valencia, zum 10 km Lauf. Mit Sonne und rund 20 Grad ist das Ende November nicht zu verachten. Ich habe mich auch ein bißchen am Meer gesonnt. Leider war dieses Mal keine neue PB drin, aber das wäre ja auch ein bißchen viel verlangt gewesen ...

Dezember:
Nun steht noch der Silvesterlauf hier in Nürnberg an, und dann muss ich Frauchen schon wieder auf den nächsten Halbmarathon vorbereiten. 2017 ist leider aus beruflichen Gründen kein Floridatrip möglich, aber wir starten beim HM in Barcelona Mitte Februar.

Insgesamt kann ich also mit dem Laufjahr 2016 sehr zufrieden sein: neue PBs über 5 km, 10 km, Halbmarathon und den Achenseelauf (23,2 km), erste Bergtrailerfahrungen gemacht, der Coach hat fast immer mitgefinisht

.... so kann es 2017 weitergehen.

Wie war denn Euer Läuferjahr?

Bis bald Euer Iwan




Sonntag, 11. Dezember 2016

Große Erwartung: Helix

Hallo Leute,

seit dem Erstling "Blackout" sind wir Fans von Marc Elsberg. Dieser Autor mixt reale Elemente - in "Blackout" die Gefährdung der europäischen Stromversorgung durch Terroristen - mit einer fiktiven Thrillerhandlung. Als wir jetzt die Chance bekamen, sein neuestes Werk zu rezensieren, haben wir sofort zugeschlagen. Und direkt nach Erhalt angefangen zu lesen.

"Helix - Sie werden uns ersetzen"
Marc Elsberg, erschienen beim Blanvalet Verlag.


Gehen soll es um Genmanipulation - in den heutigen Zeiten, mit all den Diskussionen um genmanipulierten Mais bis hin zu "Designerbabies", absolut spannend. Und der Roman fängt sehr vielversprechend an.Der US-Außenminister kippt auf einer Sicherheitskonferenz in München um. Stirbt schnell, und die erste Obduktion bringt nur das Ergebnis "ein Virus". Die Delegation fliegt umgehend zurück, an Bord auch Jessica Roberts, die dann von der US-Präsidentin den Auftrag zur Aufklärung dieser mysteriösen Sache erhält. Denn schnell wird klar - es handelt sich um einen Killervirus, mit dem der Außenminister vorsätzlich angesteckt wurde. Jessica ist verheiratet, zwei Kinder, ein Mann - alle drei werden von ihr zeitlich vernachlässigt. Im Lauf der Handlung fängt sie dann eine Art Beziehung mit einem dazugezogenen Mediziner an, die aber nicht bis zum Letzten geht.
Parallel gibt es andere Handlungsstränge: eine arme Bäuerin in Afrika, auf deren Feld der Mais prima gedeiht, während rundherum aller Mais verkümmert. Ein Ehepaar, das unbedingt ein Kind haben will, und zum Thema künstliche Befruchtung den Hinweis erhält, es gäbe da einen Arzt, eine Klinik und eine Methode, dem Kind lauter "Super-Duper-Eigenschaften" mitzugeben. Ein 10-jähriges Wunderkind, das auf einmal verschwindet.
Alle Handlungsstränge laufen dann in dieser Klinik zusammen. Dort gibt es Designerbabies und schon heranwachsende Wunderkinder. Helen und Greg entscheiden sich, ihrem Kind "alle Chancen" zu geben, und Helen wird befruchtet. Dann bricht die Hölle los, als Jessica mit ihrem Team dort einfällt, alle unter Quarantäne stellt ... Eugene, eines der Wunderkinder, verlangt mit der US-Präsidentin zu reden. Die kommt auch, und lässt sich schön brav von Eugene per Hubschrauber entführen. An dessen Kufe sich Helen klammert, um "ihr Baby" zu retten. Die Flucht geht nach Südamerika, zu einem geheimen Labor, auch ein Wirtschaftsmagnat trifft ein ... diverse Verfolgungsjagden, Showdowns usw. folgen. Bis hin zum unbefriedigenden Ende.

Das Ganze liest sich .. nun ja. Man will schon wissen, wie es weitergeht. Und wartet die ganze Zeit auf etwas mehr Substanz. Oder dass man sich mit einem der Protagonisten halbwegs identifizieren könnte. Geht nicht. Die bleiben alle miteinander schablonenhaft. Viele angerissene Handlungen verlaufen ins Leere. Was ist z.B. mit den Wunderkindern, die gemeinsam mit Eugene flüchteten? Logiklöcher und Anschlussfehler gibt es leider zuhauf. Außerdem sehr verquaste Redewendungen, die sich anhören, als hätte ein nicht sonderlich guter Übersetzer das Ganze aus dem Englischen übersetzt. Was aber nicht der Fall ist. Schade, sehr schade.

Ein absolut spannendes und kontrovers zu diskutierendes Thema wurde hier verschenkt. Muss man bei Genveränderung mitmachen, damit man nicht ins Hintertreffen gerät, oder überlässt man alles der Natur? Zum Aspekt "Designerbabies" hat das Peter James schon 2012 in "Perfect People" wesentlich gehaltvoller, logischer und emphatischer dargestellt. Und im Vergleich zu "Blackout" war "Helix" um zwei Punkte schwächer.

Fazit: Frauchen gibt 3 Punkte, ich schüttele nur ob der verschenkten Chance den Kopf und gebe auch 3 Punkte.

Das Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Danke schön dafür. Dies hat aber unsere Meinung nicht beeinflusst.

Bis bald Euer Iwan

Sonntag, 4. Dezember 2016

Allein oder in Gruppen laufen?

Hallo Leute,

ich sinniere nun seit einigen Tagen über diesem Thema: lieber allein laufen, oder zu mehreren? Hier gehen die Meinungen ja sehr auseinander .... Frauchen bevorzugt es, allein zu laufen. Ab und zu mal mit einer Freundin, ganz selten und nur sehr ungern mit einer größeren Gruppe. Denn irgendwie ist der andere, sind die anderen entweder zu schnell oder zu langsam, aber nie genau in Frauchens Tempo. Wobei das ja nun auch variiert, mal hat sie Lust, schneller zu laufen, mal wird ein Berglauftraining eingestreut. Ich als Coach lasse ihr da freie Hand, so lange sie ihr vorgeschriebenes Wochenpensum erledigt. Also ein Tempolauf, einmal Bergtraining oder querfeldein, einmal nach Lust und Laune und ein langer Lauf.
Mit anderen zusammen müsste man auch immer reden, meint sie. Und das mag sie nicht beim Laufen. Für sie ist Laufen auch eine Art Meditation, also Abschalten vom Alltag, Gedanken laufen lassen ...
Glücklicherweise kann sie das hier beim Laufen. Bis auf einen Rauhhaardackel, den sie neulich beim zu-rasant-die-Kurve-nehmen erschreckt hat und der ihr daraufhin ans Hosenbein wollte, ist das Laufen in unserer Gegend sicher. Gut, einige "witzige" Zeitgenossen gibt es immer, die so "unterhaltsame" Rufe wie "Hopp, hopp" oder "schneller, nicht einschlafen" oder "ist das gesund?" beisteuern. Aber die kann man ignorieren.
Was mich eben aber erschreckt hat, war das Hauptthema der US-Ausgabe der Runners World. Nämlich wie viele Frauen in den Staaten schon belästigt wurden beim Laufen. Das reicht von dummen Kommentaren (s.o.) über sexistische Anmache bis hin zum Antatschen. Wie gesagt, das ist Frauchen glücklicherweise noch nicht passiert, weder hier noch beim Laufen in Florida oder in Spanien. Was aber dann für unsere Verhältnisse noch erschreckender war, ist die ernsthafte Diskussion, ob frau eine Schusswaffe beim Laufen mit sich führen sollte ... Ja, geht es noch? Laufen soll Spaß machen, Training soll die Gesundheit erhalten. Aber dass manche Frauen sich nun schon gezwungen fühlen, eine Waffe (Pfefferspray haben auch hier einige bei sich) mitzuführen, kann und darf nicht sein!
Wie seht Ihr das? Die Damen unter Euch - seid Ihr schon mal belästigt worden? Wie geht Ihr damit um? Lauft Ihr allein, oder zu mehreren? Wenn Letzeres, aus Sicherheitsgründen oder der Unterhaltung wegen?
Bis bald Euer Iwan

Montag, 28. November 2016

Im Flug gelesen: Das Kind im Wald

Hallo Leute,

wir hatten mal wieder Lust auf einen neuen Autor, nachdem wir uns durch die ganzen Neuerscheinungen unserer Lieblings-Krimiautoren seit Ende September gelesen hatten. Da kam uns dieses Taschenbuch gerade recht:

"Das Kind im Wald"
Sarah Graves
erschienen beim Heyne Verlag.

Die Inhaltszusammenfassung las sich spannend: eine Mordkommissarin wird in eine amerikanische Kleinstadt versetzt. Dort, wo ihre Nichte vor einigen Jahren spurlos verschwunden ist. Und in den dunklen Wäldern Ungeheuerliches warte ...
Im wahrsten Sinne des Wortes hat Frauchen es im Flug gelesen - nämlich auf unserem Hinflug nach Valencia. Es las sich flüssig, aber war ehrlich gesagt aus vielen anderen Krimis bekannt:
  • ein wackerer Polizeichef vor Ort
  • verschrobene Bürger der Kleinstadt
  • eine Reihe von Todesfällen unter Ex-Polizisten, und nur der Polizeichef glaubt an eine Mordserie
  • ein betrügerischer Ex-Lover, der unserer strebsamen Polizistin wieder Avancen macht
  • ein Tierarzt, der sich ebenfalls in sie verguckt (warum muss es eigentlich immer ein Tierarzt vor Ort sein?)
  • der Reiche, der den Ort beherrscht, samt dement werdender Ehefrau und missratener Tochter plus deren unehelickem Baby
  • ein missverstandener Jugendlicher
  • und der "Herr des Waldes".
Ex-Polizisten sterben, auch drei junge Frauen werden vergewaltigt und ermordet (was aber "nur" ein Nebenschauplatz ist), noch ein Kind verschwindet ... zum Schluss kommt es zu einem packenden Showdown im Wald.

Das Ganze liest sich wirklich flüssig und durchaus spannend. Man will immer weiterlesen, um zu erfahren, wie es den handelnden Personen ergeht. Was nicht so gut ist - einige zu Beginn sehr ausführlich vorgestellte Personen und Hintergründe werden gegen Schluss nur noch ganz kurz und oberflächlich aufgelöst. Das ist schade, hier verschenkt die Autorin Potenzial.

Fazit: Frauchen gibt 4 Punkte, ich schließe mich an.

Das Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Danke schön dafür. Dies hat aber unsere Meinung nicht beeinflusst.

Bis bald Euer Iwan

Dienstag, 22. November 2016

Animo! 10 km Lauf in Valencia

Hallo Leute,

letzten Freitag hieß es 4:30 Uhr aufstehen. Denn unser Zubringerflug nach Frankfurt ging schon kurz nach 6 Uhr. Vorher war tageslanges Zittern angesagt, ob die Lufthansa-Piloten genau an diesem Freitag streiken würden ... glücklicherweise nicht! In Frankfurt leider über 2 1/2 Stunden Aufenthalt, bis wir endlich in den Flieger nach Valencia durften. Und Herrchen bestand doch glatt darauf, dass er den zweiten Sitzplatz, noch dazu am Fenster, einnehmen dürfe! So musste ich in meiner Reisetasche bleiben. Neben Frauchen saß ein auf den ersten Blick ebenfalls als Läufer erkennbarer Herr. Wie sich herausstellte, ein Schwabe aus der Nähe von Stuttgart, mit seiner gesamten Laufgruppe. Sie wollten den Marathon laufen, und er meinte so ganz despektierlich "ach, Sie laufen nur die 10 km?" Endgültig verdorben hatte er es sich aber mit uns, als er nach Diskussion mit seinen anderen Laufgruppenteilnehmern und im Wissen, dass wir schon 2015 in Valencia gestartet waren, fragte: " Ist denn die Organisation wenigstens ähnlich gut wie in Deutschland? Bekommt man seine Startnummer einfach oder ist das chaotisch?" Frauchen kennt die großen deutschen Läufe nur vom Hörensagen, vor allem das Geschimpfe über lange Warteschlangen bei der Ausgabe, lange Wege usw. In Valencia war es - wieder - alles bestens ausgeschildert, nah beieinander, Wartezeit maximal 1 Minute. Nun ja, es leben die Vorurteile.
Putzig war, als die Stewardess (selbst Läuferin) in den Abschlussworten allen Startern für Sonntag viel Glück wünschte - und das halbe Flugzeug klatschte! Fast nur Läufer an Bord ...
Dann hieß es wieder lange auf den Koffer warten, schnell mit dem Taxi reinfahren (unser Fahrer war eine Kreuzung aus Verstappen und Hamilton, falls Ihr versteht ... so fahrstiltechnisch gesehen), ins NH Hotel einchecken, umziehen und wieder raus. Zeit von Landung bis in-Laufschuhen-auf-der-Straße-stehen: 1:15 Stunde. Wir hatten schon gesehen: die Sonne schien, die Thermometer zeigten 25 Grad. Aber so ganz glauben konnte Frauchen es nicht, also zwei Lagen Shirt angezogen. Um nach ca. 5 Metern das eine Shirt auszuziehen. Gefühlt ein Sommerlauf. Valencia liegt ja um ein trockengelegtes Flußbett, Turia, herum. Ein Eldorado für Läufer, alles perfekt mit extra Laufstrecke auf 9 km Länge angelegt.



Danach ging es zur Startnummerabholung in die futuristischen Gebäude der Ciudad de las Artes y Sciencias. Bei der Startnummernabholung versuchte uns das nette Mädchen in sehr lustigem Englisch etwas zu erklären. Um dann erleichtert auf Spanisch fortzufahren, dass man seine Nummer (bzw. den integrierten Chip) nochmal über so ein Registriergerät laufen lassen müsse. Kannte Frauchen ja schon aus den USA. Dann noch schnell den Starterbeutel mit Shirt abgeholt. Und hier muss ich ein ganz großes Lob an den Veranstalter aussprechen. Für 28 Euro gab es:
ein gut sitzendes Funktionsshirt, ein Stirnband, 3 Knabbersachen, zwei Müsliriegel, Zahnpasta (wozu auch immer), Fußcreme, Magnesiumpulver, eine Tüte Minzbonbons, eine Dose Radler, Koffeintabletten (die nicht auf der Dopingliste stehen, wie extra erwähnt wurde), plus nach dem Zieldurchlauf eine Finishermedaille, eine Flasche Powerade, eine Flasche Pfirischsaft, weitere zwei Knabbersachen, ein Netz mit Mandarinen, eine Flasche Wasser.



Unsere Beute schleppend gingen wir noch durch die Expo. Viele Veranstalter anderer Läufe warben um Aufmerksamkeit. Einem deutlich als Deutscher erkennbaren Vertreter des Hamburg Marathons konnten wir mit den Worten "sind schon angemeldet" (was auch stimmt) ein "Brav so" entlocken. Übrigens, für den Marathon waren rund 17.500 angemeldet, für den 10 km-Lauf 8.500. Davon die Mehrzahl Spanier, Deutsche sind dort sehr wenig vertreten - Frauchen war eine von 56 Angemeldeten. Danach sind wir noch ans Meer gelaufen und haben dort den Abend in einem schönen Lokal ausklingen lassen.

Samstag habe ich dann so lange gequengelt, bis Frauchen mich mitgenommen hat. Es ging in die historische Altstadt von Valencia. Zuerst die Torres des Sermans - sollten bei km 4,2 des Rennens passiert werden. Dann zur Placa de la Reina mit der Kathedrale - km 6. Also musste ich als Coach mir doch das alles angucken! Was mich total begeistert hat: viele Orangenbäume mit Früchten dran als Straßenbäume.
Zum Mittag sind wir mit dem öffentlichen Nahverkehr (sehr gut, und auch recht preiswert) wieder an den Stadtstrand gefahren, Frauchen sollte sich ja schonen. Abends dann Pasta fassen beim Italiener.







Sonntag, die Startzeit war auf 8:30 Uhr vorlegt worden gegenüber letztem Jahr - und es war deutlich kühler geworden. Nur noch 15 Grad, dazu sehr kalter und böiger Wind. Also gar nichts für Frauchen. Unser Hotel dieses Jahr war leider nicht mehr nur 4 Meter vom Startbereich entfernt, sondern 1,5 km. Lauter frierende Läufer strömten Richtung Start. Das Hinlaufen hatte den Vorteil, dass Frauchen erstens recht gelockert dort ankam, und zweitens nicht so lange rumstand. Wieder war sehr viel bewaffnete Security zu sehen, auch der Polizeihubschrauber kreiste sehr niedrig. Bei unserem erwarteten Zeitziel wird Frauchen immer in den letzten Startblock einsortiert. Hat den Vorteil, dass sie wenig überholt wird, selbst aber gut überholen kann und sich dabei Motivation holt. Herrchen und ich warteten bei km 1,2, nah unserem Hotel, aber haben Frauchen leider nicht gesehen. Bei der Masse der Starter ist es auch schwierig - zuerst geht es über eine große Brücke, das ist schon ein Gänsehautgefühl, sagt Frauchen. Dieses Jahr gab es auch einen neuen Kurs, nicht Richtung Meer, sondern viel zur und durch die Altstadt. Also mehr zum Gucken, aber auch viele Ecken und Kurven drin. Was wieder nicht schön war: das Hauen und Stechen. Man muss echt Nahkampferfahrung haben, um gut durchzukommen. Denn bedingt durch die vielen Starter ist es sehr voll, man muss sich auf den ersten 5 km mehr durchschlängeln als geradeaus laufen zu können - und viele versuchen ihr Recht auf Platz wirlich mit Anrempeln zu verteidigen. Einmal kam eine Läuferin (!) von hinten und haute Frauchen zweimal gegen die Schulter, Frauchen konnte sich ja nun auch nicht in Luft auflösen, dann reichte es ihr und sie fuhr auch die Ellbogen aus.
Was bei diesem Lauf super ist: egal, ob km 0,5 oder 9,7 - überall stehen Zuschauer und feuern an (beliebter Ausruf ist das "Animo!"), alle paar hundert Meter steht eine Samba-Band, oder es kommt Musikbeschallung - die Stimmung ist unvergleichlich.

Getoppt wird das alles dann durch den Zieleinlauf auf dem "blauen Steg" über Wasser. Ich stand wieder ein paar hundert Meter vor dem Ziel mit Herrchen, bereit, um zum Finish aufzuspringen. Klappte auch tadellos, und dieses Jahr haben wir uns nicht wieder vor den Fotografen wegboxen lassen.Mein Finisherfoto muss ich dann nachreichen, bestellt ist es ....
Die Zeit war leider knapp über 1 Stunde, 1:00:24, zwar schneller als letztes Jahr, aber bestzeitengeeignet ist dieser Lauf aufgrund des Gedränges nicht. Die Wertung erfolgt dann anhand der Bruttozeit, Frauchen ist 5.494 von 7.833 ins Ziel Gekommenen.

Danach noch ein kurzer Abstecher ans Meer, dann hieß es schon wieder Abschied nehmen von Valencia. Der Rückflug ging über Zürich. Sehr schön der Blick auf die schneebedeckten Alpen:

Da hatte ich dann noch mein Schockerlebnis. Meine Menschen hatten Hunger und Durst, und wollten sich eine belegte Semmel und eine Cola light kaufen. Semmel: 11,50 Schweizer Fränkli, Halbliterflasche Cola light 5 Fränkli (gleich 5,70 Euro). Nicht im Restaurant, sondern im Laden. Worauf wir beschlossen haben, doch nicht hungrig und durstig zu sein ...

Mir hat Valencia wieder sehr gut gefallen, ein Spätsommerwochenende im November ist sowieso immer gut und der Lauf ist sehr zu empfehlen. Ich hoffe, das hat auch die schwäbische Laufgruppe gemerkt!

Bis bald Euer Iwan

Dienstag, 15. November 2016

Die Handwerker, die ich rief ...

Hallo Leute,

heute erzähle ich Euch mal eine wahre Geschichte, wie sie sich im Jahre 2016 bei uns zutrug:

Akt 1:
  • Beschluss der Eigentümerversammlung - alle Fenster werden ausgetauscht, die Fassade neu gestrichen (beides sehr nötig)
  • Ankündigung der Arbeiten - hurra, da sind meine Menschen in Urlaub. Nein, wir geben niemandem den Schlüssel zur Wohnung, vor allem keinen fremden Handwerkern für 2 Wochen. Sorry. Verlegung des Fensteraustausch-Termins klappt problemlos -, auf nach dem Urlaub. Hätte Frauchen mißtrauisch machen sollen.
  • Farbmuster für Fassadenanstrich hängen aus, man möge sich entscheiden. Bisher (es handelt sich um ein größeres Gebäude, mit drei nebeneinander liegenden Häusern, leicht verschachtelt) war es zartrosa, hellorange und zartgelb. Sah wirklich sehr nett aus. Neu: Einheitsanstrich entweder beige, oder dunkelbeige, oder grau, oder ocker. 
  • Protest der kompletten Eigentümergemeinschaft hat Erfolg - "es wird so gestrichen wie vorher". Meine Menschen stellen die Pflanzen auf dem Balkon zusammen und fahren beruhigt in Urlaub. Schwerer Fehler.
Akt 2:
  • Rückkehr aus dem Urlaub. Gestrichen ist noch nichts. Der ganze Gebäudekomplex ist eine Riesenbaustelle.
  • Fensteraustausch steht an. Und man muss ehrlicherweise sagen: das ging schnell innerhalb von 1,5 Tagen über die Bühne. Für 16 Fensterflächen in der Wohnung. Naja, danach 3 Tage Grundreinigung mit Entstauben aller Bären. Und ich hatte die ganze Zeit Redeverbot, sollte mich unauffällig verhalten.
  • Fassade ist gestrichen. Drei Seiten zartrosa. Eine Front, die auch unseren Balkon enthält (großer Balkon, an drei Seiten teils von der Fassade eingefasst) ist schmutziges Weiß. Herrchen meint "das ist die Grundierung". Frauchen meint eher nein, da die anderen Flächen ja auch nicht grundiert wurden, gibt aber Ruhe.
  • Zwei Tage später wird nun endlich auch Herrchen unruhig. Fragt nach und kriegt zu hören: "Ja, das war der Auftrag. Diese Seite bleibt weiß. Wollte einer der Eigentümer so." Sofort Protest organisiert. Abgesehen davon, dass es anders beschlossen war, sieht es einfach nicht schön, um nicht zu sagen albern aus: drei Seiten rosa, eine Seite weiß. Schmuddelig weiß.
  • Info kommt "wird auch rosa gestrichen". Meine Menschen sind beruhigt. Schwerer Fehler.
 Akt 3:
  • Die Fassade ist umgestrichen. Nur leider nicht unser Balkon. Sieht nicht schön aus. Herrchen wartet ab. Frauchen will gleich protestieren. Herrchen setzt sich durch. Nun ja, aus Erfahrung wird man wohl ... nicht klug.
  • Es passiert nichts. Das Gerüst soll abgebaut werden. Auf Nachfragen bei der Hausverwaltung gibt es keinerlei Reaktion mehr. Die Maler sagen "genau das war der Auftrag".
  • Wieder Protest organisieren. Muss man eigentlich immer erstmal auf die Barrikaden gehen?
  • Info am Freitag: "na gut, wird auch noch in Fassadenfarbe gestrichen". Gerüst wird aber abgebaut. Daher Zugang von innen durch die Wohnung. Es müsse jemand zuhause sein. Meine Menschen sind beide voll berufstätig und haben ihre Zeit ehrlich gesagt auch nicht im Lotto gewonnen, vor allem, wenn man sich diese ganze Entwicklung ansieht.
  • Man möge doch bitte Montag früh gleich die Maler abfangen und Termin zum Streichen ausmachen.
  • Gemacht. Dienstag früh. Frauchen legt Termine um und bleibt zuhause. Gleich um 7 Uhr sollen sie kommen. Hahaha.
Akt 4:
  •  Um halb acht war noch keiner da. Also Frauchen raus in die Eiseskälte, Maler gesucht. Zuständigen gefunden. "Ja, was sie denn wolle?" Da das Gerüst noch stehe (könne wegen der Kälte nicht abgebaut werden), hätte der Maler gleich Montag schon alles fertig gestrichen. Häh?
  • Frauchen und ich denken - ja, sind wir denn blind? Kontrollierender Blick nach draußen: nein, ist immer noch schmutzigweiß.
  • Mehrfache Versuche, den Zuständigen telefonisch zu erreichen. Er glaubt es erstmal nicht. Anruf beim Maler: Ja, sie haben gestrichen.
  • Nur leider nicht unseren Balkon, sondern ein Stockwerk drüber!!!!!
  • Neuer Termin ist nun für Donnerstag früh ausgemacht. Frauchen schiebt wieder Termine ...
Bin gespannt, wie es weitergeht. Müßig zu sagen, dass unser Balkon seid nunmehr 2 Monaten nicht mehr nutzbar ist und aussieht wie ein Verhau. Drückt bitte alle die Daumen!

Bis bald Euer Iwan

P.S. Nachtrag 17.11. - Handwerker waren da, Balkon ist nun auch zartrosa. Kaum wartet man zwei Monate ...